Rekordausgabe des Festivals Fantoche

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Das 15. Internationale Festival für Animationsfilm Fantoche hat an den Kinokassen 26’300 Eintritte verkauft, 4 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015. Abseits des Haupt- und Nebenprogramms von Lang- und Kurzfilmen sorgen vielseitige Anlässe für Branche und Publikum für ein Feuerwerk der visuellen Kunst mit Workshops, Ausstellungen und «Virtual Reality».

Virtual Reality Show in der Stanzerei, einem von 9 Orten des Festivals Fantoche. (Johanna Encrantz)

Jedes Jahr zum Fantoche taucht das kleine Städtchen Baden mit den Festival-Besuchern in die Animationswelt ein und wird mit Überraschungen dieser vielseitigen Branche eingedeckt. Vom 5. bis 10. September 2017 drängte die neue Rekordzahl von 26’300 Besucherinnen und Besucher in die Kinos, plus 4 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2015. Es ist ein Anlass für echte Fans. Die langen Warteschlangen an Kasse und Kino-Eingang sowie verzögerte Filmstarts haben trotzdem ein begeistertes Publikum hinterlassen, das die Säle verliess.

Das noch weit grössere Publikum von Jung bis Alt, aus der Schweiz und dem nahen Ausland, wurde abseit des Kinos mit der Vielseitigkeit des Genres Animation und der visuellen Kunst zu Film, Games und Musik unterhalten – die neben den Filmen ebenso zu den Höhepunkten zählen, weil sie andere Erlebnisse kreieren.

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Reichhaltiges Programm mit kleinen Pannen

Szene aus «In this Corner of the World». (pd)

Mehr als 300 aktuelle Lang- und Kurzfilme in 5 Kinosälen mit 1080 Stühlen, Multimedia-Ausstellungen mit Virtual & Augmented Reality, Industry Talks und Workshops in 9 Ausstellungs- Veranstaltungsräumen garantierten ein abwechslungsreiches Programm für alle Generationen. Die Langfilme «Loving Vincent», «In this Corner of the World» und «Louise en Hiver» waren rasch ausverkauft. Es gab in diesem Jahr schon früh nach dem Festivalstart einige enttäuschte Gesichter an den Kassen, die zu spät ihrer Leidenschaft für die ausverkauften Filme fröhnen wollten – trotz des wochenlangen Vorverkaufs ab August. An einem Festival wie dem Fantoche gibt es aber immer unerwartet spektakuläre Alternativen im Programm.

Leider versuchten einige Ansagerinnen und Ansager mehrmals und in verschiedenen Filmen unfreiwillig, den Zuschauern mit Spoilern den Filmgenuss zu vermiesen, weil sie anstatt interessanter Hintergrund-Fakten zum Film mit durchbrennendem Enthusiasmus schon die Geschichte erzählten. Als Zuschauer voller Vorfreude auf den Film fragt man sich verdutzt, ob man nun die Hände auf die Ohren oder vor das Gesicht halten soll.

Weitere Schwerpunkte im Programm waren «Brexit: Goodbye to All That?» und «3 Generationen: Kino, TV, Web», die 34 Kurzfilme aus 24 Ländern im Internationalen und 24 im Schweizer Wettbewerb, die 19 Langfilme und die Ausstellung zu «Animation multimedial». Für die Wettbewerbe kamen 2094 eingereichte Filme aus 102 Ländern ins Fantoche-Hauptquartier, davon allein 109 aus dem Iran.

300 Beiträge und eine begeisterte Direktorin

Festivaldirektorin und künstlerische Leiterin Annette Schindler hat das 15. Fantoche zum Besucherrekord geführt. (pd)

Festivaldirektorin und künstlerische Leiterin Annette Schindler zieht eine positive Bilanz: «Während LOVING VINCENT ein eindrücklicher Film über ein Künstler-Genie einer vergangenen Zeit ist, waren die genialen Künstler von heute hier am Fantoche anzutreffen.» Der Belgier Michel Dudok de Wit habe in seiner Masterclass niemanden unbeeindruckt gelassen. Die Kurzfilm-Wettbewerbe mit Jury und Preisen sind jeweils das Fantoche-Herzstück des Programms. «Die Juries haben einige wahre Meister der Animation für die Auszeichnungen ausgewählt», sagte Schindler. Die besten Filme touren bis zum nächsten des Festival mit «Best of Fantoche 2017» (Link) in 20 Schweizer Kinos und bis nach Budapest und Paris.

Fantoche vernetzt sich die Animationsfilm-Branche

Die Macher konnten sich mit Anlässen wie den «Industry Table Talks» austauschen und vernetzen. (pd)

Der Fantoche Industry Day zog viele Animationsexperten und Filmschaffende an. Die Table Talks ermöglichten den Teilnehmenden neue Kontakte für künftige Kooperationen. Spannende Einblicke boten die Best-Practice-Präsentationen mit den Experten des Zürcher Freitag.lab.ag, sowie der britischen Blue Zoo Productions und Golden Wolf. Ein besonderes Highlight des Branchentags sowie des gesamten Festivals war die Masterclass mit Oscargewinner Michael Dudok De Wit, dessen oscar-nominierten Film «The Red Turtle (La Tortue Rouge)» im Vorjahr am Fantoche und im März in den Schweizer Kinos lief. Der Niederländer zeigte anhand des Bildmaterials aus der Produktion die hohe Kunst des Storytelling und der animierten Landschaftsansichten.

Michael Dudok de Wit leitete eines der Fantoche-Highlights: seine Masterclass mit seiner bahnbrechender Erfahrung aus The Red Turtle, bei dessen Produktion er mit dem japanischen Studio Ghibli mit dessen Animationsfilm-Legende Isao Takahata zusammen arbeitete. (pd)

Die Animation Fuckup Night lud zum Schluss des Fantoche Industry Day dazu ein, die Worst-Case-Erfahrungen zu präsentiert. Danach wurde bis tief in die Nacht hinein im Badener Kulturlokal Royal gefeiert – genau so wie an den anderen Fantoche-Nächten sorgte das Nachtprogramm „Royal Fish“ für den erweiterten Unterhaltungsrahmen mit Konzerten und VJ-Battle von angereisten Videokünstlern zu treibender Techno-Mucke.

Gewinner des Fantoche

Den Titel «Best Film» im Internationalen Wettbewerb holt sich Niki Lindroth von Bahr mit «The Burden». «Negative Space» von Max Porter und Ru Kuwahata gewinnt den internationalen Publikumspreis. Im Schweizer Wettbewerb wird «Airport» von Michaela Müller als «Best Swiss» prämiert und «In a Nutshell» von Fabio Friedli gewinnt den Schweizer Publikumspreis. Joan Zhonga gewinnt mit «Ethnophobia » den Preis «Best Kids» sowie den Kinderpublikumspreis im Kinderfilm-Wettbewerb.

Die fünf wichtigsten Gewinnerfilme:

Best Film: «The Burden», Niki Lindroth von Bahr, SE 2017 http://fantoche.ch/de/film/burden

Internationaler Publikumspreis: «Negative Space», Max Porter, Ru Kuwahata, FR 2017

http://fantoche.ch/de/film/negative-space

Best Swiss: «Airport», Michaela Müller CH/HR 2017 http://fantoche.ch/de/film/airport

Schweizer Publikumspreis: «In a Nutshell», Fabio Friedli, CH 2017 http://fantoche.ch/de/film/nutshell

Best Kids: «Ethnophobia», Joan Zhonga, AL/GR 2016 http://fantoche.ch/de/film/ethnophobia

(Marco Rohner)

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