Alte Computer erfüllen Kinderträume

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Das erste Schweizer Labdoo Hub hat im ersten Jahr bereits 250 Kindern geholfen. Die Hilforganisation Labdoo.org zelebriert Nachhaltigkeit reinster Güte mit Computern. Am Anfang steht der Traum des malawischen Jungen William Kamkwamba, der mit Passion und Technologie seine Familie rettet.

Labdoo Thailand

Eines der ersten Labdoo-Projekte beschenkte Kinder in Thailand. (pd)

 

«Jeder Traum, kann Wirklichkeit werden. Man muss es nur damit anfangen», sagt William Kamkwamba. Er wurde in Malawi geboren – einem afrikanischen Land, in dem Magie die Realität leitet und moderne Wissenschaft als Mysterium gilt. Es kam der Tag, an dem die Familie ihm die Schule nicht mehr bezahlen konnte. So musste er mit allen andern die Felder bestellen, trotzdem Tausende wegen Trockenheit den Hungertod starben. Doch trotz der Strapazen fuhr der junge William regelmässig mit seinem Rad zur Schul-Bibliothek und las. Eines Tages fand er ein Magazin mit der Bauanleitung eines Windrades. Mit seiner Inspiration für Elektrizität und dem neuen Wissen stellte er ein Windrad in die Wüste. Es brachte Strom in die Häuser und Wasser auf die Felder.

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Die Geschichte des malawischen Jungen William Kamkwamba hat den spanischen Programmierer Jordi Ros zum Träumen gebracht. Auch er ist ein Macher. Ros gründete im Jahr 2011 Labdoo, um jedem Kind der Welt einen Computer zu geben. Der Zugang zum Wissen für alle ist ein Computer mit freier Software. Wie bei Kamkwamba ist aus Passion eine positive Bewegung entstanden. Ros programmierte ein Social-Network für alte Computer und für freiwillige Helfer, die den Kindern dieser Welt, die sich keinen Computer leisten können, ihren Traum ermöglicht.

Digitale Kluft wächst

Labdoo Thailand

Diese Kinder hätten ohne Jordi Ros‘ Engagement weiter ihren Träume träumen müssen – ohne Chance auf Ausbildung und Zugang zur Fülle an freiem Wissen im Internet. (Chuaydek.info)

Laut dem Bericht vom World Economic Forum besteht eine digitale Kluft zwischen Entwicklungsländern und dem Rest der Welt. Die ICT-Bereitschaft in den meisten Ländern Afrikas sei niedrig und der Anschluss ans Internet sei mangelhaft. Die Entwicklung der ICT-Infrastruktur ist nach wie vor teuer und es fehlt an Wissen. Das verhindert den effizienten Einsatz der verfügbaren Technologie. Selbst in Ländern, in denen sich die ICT-Infrastruktur verbesserte, sind die Wettbewerbsfähigkeit und der Wohlstand unterentwickelt. Dadurch entsteht eine digitale Kluft. 

Labdoo.org ist ein Vorzeigeprojekt für Nachhaltigkeit mit Informatik (ICT4S). Anders als bei der gemeinnützigen Gesellschaft «One Laptop per Child» von Nicholas Negroponte und ähnlichen Initiativen wie dem «Classmate» von Intel, wird bei Labdoo kein Billig-PC in die Welt versandt, um den digitalen Graben mit zusätzlichem Abfall aufzufüllen. Freiwillige erwecken alte Notebooks zu einem zweiten Leben, in dem sie Kindern eine Chance auf Ausbildung geben.

Die freiwilligen Helferinnen und Helfer sind in 34 Hubs und in 68 Ländern tätig. Sie haben bisher über 1500 Notebooks gesammelt und ausgeliefert. Dies habe laut eigenen Angaben den Ausstoss von rund 62’000 Tonnen Treibhausgasen verhindert, das entspricht im Volumen einem Zehntel der jährlichen Transporte aller Öltanker (2 Milliarden Barrel Erdöl) oder einem Drittel der jährlichen Erdöl-Produktionsvolumens.

Freiwillige sammeln und liefern Computer

Frank Geisler Labdoo Hub Zuerich

Frank Geisler hat mit dem Labdoo Hub Zuerich bereits 250 Kindern geholfen. (pd)

Frank Geisler hat die Initiative mit dem Labdoo Hub Zürich für die Schweiz vor einem Jahr gestartet. Als freiwilliger Helfer sammelt er alte, funktionsfähige Notebooks. Jeder kann beim Projekt mitmachen, auch fast völlig ohne Aufwand, denn weitere Freiwillige bringen die Geräte an Ihren Bestimmungsort. Labdoo und Techniker von «Ingenieure ohne Grenzen» installieren, betreuen und schulen die Kindern.

Die Betreiber der Hubs löschen die Festplatte mit einem sicheren Verfahren (gemäss den Richtlinien des US-Verteidigungsministerium). Auf die leeren Geräte wird die GNU/Linux-Distribution Ubuntu installiert. Sie wird um das Edubuntu-Paket sowie die Sprachpakete für den Bestimmungsort ergänzt. Damit werden benachteiligte Kinder und Schulen in armen Ländern mit modernen, digitalen Lernwerkzeugen auszustatten. Die einheitliche Ubuntu-Basis erleichtere die Fernwartung, die mittelfristig bei Labdoo geplant ist.

Um schwache, respektive fehlende Internetanschlüsse zu kompensieren, erhalten die Computer eine Offline-Variante von Wikipedia. Die «Selection for Schools» der Hilfsorganisation SOS Children UK umfasst etwa 5500 Artikel der englischsprachigen Wikipedia, die für Kinder geeignet sind.

Labdoo zelebriert Nachhaltigkeit

Labdoo.org beweist pure Nachhaltigkeit: Ausgemusterte, funktionsfähige Geräte werden wiederverwendet; sie verkleinern den digitalen Graben zwischen armen und reichen Kindern; der Transport erfolgt klimaneutral als Beigepäck von Reisenden; Open-Source und freie Software wird verbreitet; mit Open-Source und freier Software lernen die Beschenkten den Umgang von Programmen und den Einsatz von Werkzeugen einmal, die sie später immer wieder nutzen können. Ausserdem wird das Recycling sichergestellt. Alle Notebooks kehren am Ende ihres Lebens wieder in einen Labdoo-Hub zurück und werden dort entsorgt, respektive wiederverwertet. Dies reduziert giftige Abfälle.

250 Kinder profitierten von Schweizer Computern

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Die Schule in Kamerun erhielt neben Notebooks auch über 100 Monitore von Kuoni, die Frank Geisler sammelte. (pd)


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In Ecuador wächst die neue Generation mit freier Software auf. (pd)

Im ersten Jahr des Bestehens wurden weitere Annahmestellen Labdoo Hub Zürich in der ganzen Deutschschweiz eröffnet, neben der ersten in Zürich auch in Bern, Basel und dem Oberwallis. Jeder kann spontan einen Hub gründen. Insgesamt wurden im ersten Jahr in der Schweiz über 50 funktionsfähige Laptops gesammelt. Sie kamen von privaten Spendern und Unternehmen. Damit können rund 250 Kinder an Schulen in der ärmeren Welt eine Ausbildung geniessen. Besonderen Fokus erhielten Schulen im Kamerun, Liberia, Nepal und Thailand.

Durch CO2-neutrale Transporte sowie gesichertes Elektronik-Recycling entsprechen die 50 Schweizer Geräte Einsparungen im Bereich von 1’100 kg Treibhausgasen, umgerechnet 1’400 Litern Benzin, respektive 3’100 Glasflaschen oder 14’300 Aluminiumdosen. Labdoo.org erhielt diverse Auszeichnungen, beispielsweise den SAMS-Awards in Berlin (Software Asset Management Strategies) und von SAP für Projekte im Rahmen von CSR (Corporate Social Responsibility).

«Jeder Traum kann Wirklichkeit werden. Man muss es nur damit anfangen» – William Kamkwamba

Wer einen Rechner spendet, sieht genau, was gerade mit ihm passiert, wann er seinen Bestimmungsort erreicht und wann er zum Recycling zurück kommt. Spender können über die Homepage den Weg ihres Laptops verfolgen und auf  Wiki-kids.org sehen, zu was die Kinder und Jugendlichen damit kreieren.  So kann man nicht nur dem alten Arbeitsgerät ein neues Leben schenken, sondern auch mit den Kindern träumen.

 (Marco Rohner)

Der Labdoo-Gründer und Freelance-Programmierer Jordi  Ros hat sein Projekt 2011 vorgestellt (Video in Spanisch, mit englischen Untertiteln)

 

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Marco Rohner
Journalistischer Unternehmer der neu erfindet, wie Geschichten in einer allzeit verbundenen Welt erzählt werden. Er ist Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.