«Lasst uns eine bessere Welt bauen»

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Der Google-Verwaltungsratspräsident Eric Schmidt hat mit einer visionären Keynote eines der Highlights des diesjährigen Mobile World Congress geboten. In Barcelona beschrieb er die Zukunft der Informationstechnologie in einer digital getrennten Gesellschaft. Er stellte sich auch gegenwärtigen Fragen zur Netz-Neutralität und Internet-Freiheit.

Google-Verwaltungsratspräsident Eric Schmidt hat an die Mobil-Branche appelliert, Technologie für alle zu ermöglichen. (pd)

Laut Eric Schmidt ist Science Fiction aus «Star Wars» Realität geworden. Der Verwaltungsratspräsident von Google bevorzugt jedoch «Hitchhiker’s Guide to the Galaxy» (Per Anhalter durch die Galaxis). E-Books, Sprach-Übersetzung und Spracheingabe sowie Geoinformationsdienste kamen schneller als die meisten Forscher voraussahen. «Während wir den kurzfristigen Wandel überschätzen, unterschätzen wir massiv den erruptionsartigen, langfristigen Wandel», sagte Schmidt. Leistung und Verfügbarkeit von Informationstechnologie sei unlimitiert. Hologramme, virtuelle Realität und autonome Autos würden sehr bald normal sein: «Googles Autos sind bereits über 200’000 Meilen gefahren und in Kalifornien werden die ersten Gesetze ausgearbeitet, die selbstfahrende Autos erlauben – und sie werden sicherer!»

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Big Data und Cloud Computing beschleunigt Geschäftswelt

Der Trend zu Big Data, die Echtzeitanalyse der grössten Masse aller Daten (den unstrukturierten), bringe viel schnellere Einsichten und bessere Entschlüsse: Krisen sind früher vorauszusehen; Lehrer verstehen Schüler besser; Regierungen werden transparenter und offener. Laut Schmidt wird Informationstechnologie das Leben durchdringen. «Sie wird als Teil des Lebens verschwinden.» Die meisten Menschen müssten weniger Zeit dafür aufwenden: egal, welches Kabel wo eingesteckt wird oder wie und wo Daten gespeichert werden.

«Informationstechnologie wird einfach da sein – wie heute Strom», so Schmidt. Existierende Server liefern Software-Dienste, die Geschäftsprozesse zu billigen Preisen bereit stellen. Die Cloud-Technologien senken die Eintrittsbarrieren und ermöglichen riesige Skalierung, die für kleinere Firmen grosses Potential realisiert. Dies biete Wachstumsmöglichkeiten für die Mittelklasse der Gesellschaft.

Länder Afrikas scheitern an Infrastruktur-Nachteilen

Doch neben dieser Gruppe von heute 2 Milliarden Menschen, die über einen Internet-Zugang verfügen, sei eine zweite, weit grössere Gruppe von vernetzt beitragenden Menschen. Es sind die 5 Milliarden der Weltbevölkerung ohne eigenen, schnellen Internet-Zugang. Als Beispiel nannte er Nigeria: «Die Internet-Verbindung führt von Portugal durch den Atlantik nach Laos, bis dahin ist beinah unlimitiert Bandbreite vorhanden», sagte Schmidt. Es sei aber 10 bis 20 Mal teurer als in sehr vernetzten Regionen, eine Verbindung von Laos nach Nigeria herzustellen.

Ab Laos könne man nur mit teurer Satelliten-Technologie eine Verbindung nach Nigeria aufbauen. Ein Teil der Lösung sieht er regionale Cache-Server zwischen Laos und Nigeria, die Daten aus dem Internet zwischen speichern. «Damit sinken die Belastung des Netzes und die Verfügbarkeit steigt; das löst das Problem noch nicht, aber es verbessert die Situation – darin investieren wir heute», sagte Schmidt.

Information ist Macht

Die Verfügbarkeit von Informationen steigere den Bedarf nach Ethik und verantwortungsvollem Handeln. Der Arabische Frühling sei ein Beispiel. »Es wird schwieriger für Regime und Diktatoren. Wir werden alle gleicher», so Schmidt. Doch der digitale Graben zwischen der Spitze und dem Boden werde grösser, nicht kleiner – wegen dem eingeschränkten Zugang zu Technologie. Und in einigen Ländern sei als Gegenreaktion der Internet-Zugang zensiert oder ganz blockiert – auch in den USA und Europa sind keine Ausnahmen mit umstrittenen Gesetzen oder Gesetzesentwürfen.

«In rund 40 Ländern der Welt wird das Internet zensuriert. Vor 10 Jahren waren es erst 4», sagte Schmidt. Googles Services seien in 25 von 125 Ländern blockiert, in denen Google aktiv sei. Alle werden gleicher, aber es werde trotzdem noch Eliten geben. «Technologie ist ein Ausgleich. Die Schwachen werden stärker and die Armen sollen etwas bekommen», sagte Schmidt. Ein Iraner fragte Schmidt: «Gmail wird manchmal geblockt von der iranischen Regierung, aber wieso sind alle anderen Google-Services von Google selbst geblockt?» Schmidt antwortete, dies sei vom amerikanischen Gesetz vorgeschrieben. «Ich bin auf ihrer Seite, aber wir können keine amerikanischen Gesetze brechen», so Schmidt. Und er fügte an: «weil das Gefängnis so ist wie gar keine Bandbreite.»

Appell für eine bessere Welt

Schmidt ist überzeugt: «Diese Entwicklungen werden scheitern. Internet und Technologie sind wie Wasser; sie ermöglichen Menschen neue Wege zu finden und fleissen hindurch.» Der Google-Verwaltungsratspräsident ist überzeugt, dass jeder Mensch voller Kreativität, Vorstellungskraft und Kapazität für Innovation ist. Er appelliert an die Teilnehmer des grössten und wichtigsten Kongresses für Mobilfunk: «Wir alle in diesem Raum sind gesegnet mit den Möglichkeiten, die uns die Informationstechnologie bietet. «

(Marco Rohner)

 

 

 

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.