Kuscheln vor dem Knall – Switchplus Neukunde bei Green.ch

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Der dreijährige Rechtstreit mit Switch geht ohne in den finalen Entscheid. Das Schweizer Internetdienst-Unternehmen Green.ch hat innerhalb weniger Wochen zwei Hosting-Unternehmen ins neue Zürich-West in Lupfig (AG) gebracht. Die von Switchplus und Genotec ziehen zusammen mit Green.ch. 

 

Die Webcam auf dem Jungfraujoch ist ein Produkt der Internet-Erschliessung der Forschungsstation durch Switch. Solche Dienste werden in Zukunft über Switchplus aus dem Green Rechenzentrum betrieben. (pd)

Green-CEO Franz Grüter betrachtet den Streit zwischen Switch und den Schweizer Providern als abgeschlossen und zieht sich zurück. «Der Abschluss des Gerichtsverfahrens vor dem Handelsgericht war die Voraussetzung für diesen Schritt, Switchplus als Kunde zu gewinnen», sagte Grüter gegenüber Greenbyte.ch. Er werde keine weiteren Klagen unterstützen. Die Schweizer Hosting-Anbieter befinden sich seit 2009 im Streit mit der Stiftung Switch. Green.ch kämpfte an vorderster Front. Switchplus’ Klage an Green.ch auf Schadenersatz von 100’000 Franken beim Handelsgericht Aargau wurde in der 2. Kammer am 11. April abgelehnt. Dies bestätigte der Switch-Sprecher Marco D’Alessandro gegenüber Greenbyte.ch.

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Gerichtsmarathon erreicht höchste Ebene

Switch ist der offizielle Domain-Registrar von .ch und .li Domain-Namen. Die Stiftung wurde 1987 finanziert vom und den damaligen Universitätskantonen. Die Stiftung führt seit 2002 im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) die Domain-Registrierung aus. Dies läuft über «nic.ch». Seit 2009 diversifizieren sich die Stiftung mit dem eigenen Hosting-Unternehmen Switchplus, das seither auch elektronische Domain-Registrationen durchführt. Sie steht damit in direkter Konkurrenz zu den Hosting-Anbietern, die gleichzeitig auch Wiederverkäufer von Domain-Namen sind. Schon im November 2010 hatte Switchplus 10 Prozent Marktanteil für digitale Domainregistrationen erobert. Switch bevorzugt Switchplus mit Werbung auf Switch.ch, ohne weitere Provider zu empfehlen. Die Hosting-Angebote direkt im Registrationsprozess bei switchplus.ch erhalten somit den Anschein von staatlich abgesegneten Hosting-Leistungen.

Da Switch seine marktbeherrschende Position missbrauche, haben im Herbst 2009 elf Provider beim Zürcher Handelsgericht und der Wettbewerbskommission Anzeige eingereicht. Beide konnten die Vorwürfe nicht bestätigen, deshalb wurden die Verfahren eingestellt. Das Bakom hat eine Verfügung erlassen, dass Switch die Tochterfirma Switchplus nicht bevorzugen darf und deshalb Switchplus-Werbung auf switch.ch einstellen muss.

Im Februar dieses Jahres hat das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde von Switch gegen eine Verfügung des Bakoms zurückgewiesen. Das Verfahren ist vor dem Bundesgericht hängig. «Im Sinne der Wirtschaftsfreiheit muss es uns als Stiftung mit vielfältigen Betätigungsfeldern möglich sein, über alle Geschäftsbereiche zu kommunizieren. Unabhängig davon, dass wir mit der Domain-Namen-Registrierung auch eine staatlich delegierte Tätigkeit erfüllen», liess sich Switch-Geschäftsführer Thomas Brunner in einer Mitteilung zitieren. Die Gewinne der Tochterfirma werden von Switch für die Aufgaben der Stiftung verwendet. Ein Beispiel ist der Anschluss an das Wissenschaftsnetz der Hochalpinen Forschungsstation Jungfraujoch auf 3450 Metern über Meer mit Highspeed-Internet. Dies entspricht einem grossen Meilenstein in der Klimaforschung, weil die Daten nun auf der ganzen Welt abfragbar sind.

Anstoss des Streits zwischen Webhostern und Switch ist die Werbung für Webhoster Switchplus auf Switch.ch, während die offizielle Registrationsseite nic.ch nur klein auf der rechten Seite zu finden ist. (Screenshot-Bearbeitung: mro)

Switchplus profitiert von modernem Rechenzentrum

Switchplus zieht als neuer Kunde im Tier-III-zertifizierte Rechenzentrum Zürich-West von green.ch ein. Switchplus profitiert von den Effizienz-Vorteilen eines der modernsten Rechenzentren der . Das Tier-III-Zertifikat des Uptime Instituts garantiert die zweithöchste Sicherheitsstufe: Strom- und Kühlungszufuhr sind ebenso wie die des Rechenzentrums doppelt ausgelegt, um den Computer-Betrieb vor Unterbrüchen und Revisionen an der Gebäude- abzusichern. Switchplus wird im Rechenzentrum vom klimaneutralen Betrieb profitieren. Das heisst derzeit, dass die generierten Treibhausgase des Stromverbrauchs über Klimazertifikate in erneuerbare Energie investiert werden. Im Falle von Greens RZ fallen solche Emissionen beispielsweise bei Stromausfall an, wenn die Diesel-Generatoren laufen. Ansonsten wird das RZ mit Strom aus Wasserkraft gespiesen. Ausserdem verfügt Green.ch in Lupfig über die weltweit grösste RZ-, die mit Gleichstrom (DC) beliefert wird – einem Pilotprojekt von ABB. Mehr dazu lesen sie in unserem Artikel zur Eröffung.

Green.ch übernimmt Genotec

Durch die angekündigte Übernahme von Genotec durch Green.ch verändert sich nichts am Rechtstreit. Genotec gehörte mit Green.ch von Anfang an zu den Klägern. “Für uns ist dies abgeschlossen. Es gibt keinen Zusammenhang, weil die Schadenersatz-Klage ja zuvor schon abgelehnt wurde. Wir haben nichts mehr mit dem laufenden Verfahren zwischen Bakom und Switch zu tun”, so Grüter gegenüber Greenbyte.ch. Die 2001 gegründete Genotec verfügt über Rechenzentrumsstandorte in Allschwil, Basel und Zürich und betreut über 50 000 Domain- sowie rund 600 Serverkunden. Die Rechenzentrumsinfrastruktur wird nun schrittweise in das Green Datacenter Zürich-West migriert.

Die meisten der rund zwanzig bei Genotec angestellten Mitarbeiter werden am Hauptsitz von green.ch in Brugg weiterbeschäftigt. Auch die bisherigen Inhaber und Gründer von Genotec, CEO Roger Hofstetter und CTO Simon Jenny, verbleiben im Unternehmen. Die Firma Genotec und der Firmenname bleiben vorerst bestehen.

(Marco Rohner)

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Marco Rohner
Journalistischer Unternehmer der neu erfindet, wie Geschichten in einer allzeit verbundenen Welt erzählt werden. Er ist Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.