Apple fegt Russ von iCloud

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Apple behauptet, bis Ende Jahr den gesamten Stromkonsum des in die Kritik  geratenen iCloud-Rechenzentrums in Maiden (USA) aus erneuerbaren Energien einzuspeisen. In Wahrheit beziehen sie nur Grünstrom-Zertifikate für Strom aus fossilen und nuklearen Energie-Rohstoffen. 

Im finalen Ausbau liefert die Solaranlage rund einen Drittel des Stroms des Apple-iCloud-Rechenzentrums. (pd)

Mit dem hauseigenen Berichts für erneuerbare Energien verkauft Apple die Leser für dumm, weil trotzdem im grossen Stil Gas-, Kohle- und Nuklearstrom verbraucht wird. Als Ausgleich kauft die wertvollste Unternehmen der Welt billige Grünstrom-Zertifikate. Auf die Zertifikate weist Apple im Bericht selbst hin, nicht aber auf die Herkunft des Netzstroms. Apple investiert jedoch in ein riesiges Photovoltaik-Kraftwerk sowie eine Biogas-Kraftwerk mit zusätzlichen Brennstoffzellen. 

Der Lokalsender «WCNC-TV» hat Mitte September Apples 20 Megawatt Solarkraftwerk für das neue Rechenzentrum (RZ) in Maiden gefilmt. Auf 405’000 Quadratmeter Grünfläche voller Solarpanels ist es die weltweit grösste Photovoltaik-Anlage in Privatbesitz. Apple baut die riesige Solaranlage in Maiden im Bundesstaat North Carolina. Die Stromproduktion erreicht pro Jahr 42 Gigawattstunden. Weitere 40 Gigawattstunden produziert eine 5 Megawatt starke Biogas-Anlage mit Stromspeicher aus Brennstoffzellen. Der gesamte Strom ist für das RZ bestimmt.

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Energie für 17’000 Quadratmeter Serverfläche

Eröffnet wurde das Rechenzentrum in Maiden (USA) im Frühjahr 2011 für zusätzliche Kapazitäten für iTunes und den Start von iCloud. Das RZ-Gebäude misst insgesamt 46’500 Quadratmeter. Davon sind rund 17’000 Quadratmeter Server-Fläche, der Rest ist für unterstützende Infrastruktur wie Luft- und Wasser-Kühlung bestimmt. Nebenan steht noch ein 2000 Quadratmeter RZ für Apples firmeninterne Dienste.

Das RZ in Maiden ziehe laut Apple eine Stromkapazität aus dem Netz von 20 Megawatt bei voller Auslastung. 60 Prozent wird vor Ort hergestellt. Das entspricht pro Jahr 84 Gigawattstunden Strom. Zum Vergleich produzierte im Jahr 2010 das leistungsstärkste Schweizer Kernkraftwerk in Leibstadt rund 8800 Gigawattstunden. Bis 2030 rechnet das Schweizer Bundesamt für Energie mit landesweit installierter Photovoltaik im Umfang von 5400 Gigawattstunden.

Apple nutzt weiterhin Strom aus Kohlekraft

Apple bezieht 40 Prozent des Stroms im RZ Maiden von Duke Energy. (mro)

40 Prozent des Stromverbrauchs zieht das Apple-RZ in Maiden aus dem Netz des grössten amerikansichen Energieversorgers Duke Energy, dessen Energiemix nur 8 Prozent Wasserkraft und sonstige Quellen enthält. Der grosse, umweltschädliche Rest von 92 Prozent des Duke-Energy-Stroms stammen aus Kohle- (47 Prozent), Nuklear- (25) und Gas-Kraftwerken (20). Für den Umfang dieser 40 Prozent des Stromkonsums des iCloud-Rechenzentrums, rund 33 Gigawattstunden pro Jahr von Duke Energy, will Apple über Credits einkaufen der Energieagentur North Carolina Green Power. Zum Grosshandelspreis von 2,5 Dollar pro 100 Kilowatt soll “ein anderer Energiemix” gefördert werden.

Duke Energy baut Kohlekraft weiter aus

Duke Energy plant trotzdem neue Kohle- und Nuklear-Kraftwerke: Ein Kohlekraftwerk mit 1600 Megawatt Leistung (Juni 2012) und ein Nuklear-Kraftwerk mit 2200 Megawatt (Januar 2017). Im Gegensatz dazu baute der Energieversorger 2011 Photovoltaik und Windkraft mit einer Leistung von 60 Megawatt. Apple installierte innerhalb eines Jahres allein in Maiden 20 Megawatt Photovoltaik.

Effizienz mit Wasserkühlung

Das iCloud-Rechenzentrum in Maiden (USA) ging 2011 in Betrieb. (pd)

Apple nutzt in der Nacht und an weniger heissen Tagen die Aussenluft zum Kühlen des Wassers, das die Wärme aus den Serverräumen abführt. Dadurch können die stromintensiven Klimaanlagen während 75 Prozent der Rechner-Betriebszeit ausgeschaltet bleiben. Grosse Kühlwasserspeicher erhöhen die Kühleffizienz, indem sie täglich 10’400 Kilowattstunden Strom von Spitzenzeiten in Randstunden verlagern.

Das Gebäude des Rechenzentrums ist vom U.S. Green Building Council mit LEED Platium zertifiziert, einem nationalen Umwelt-Qualitätsstandard ähnlich «Minergie» in der Schweiz oder dem deutschen «Gütesiegel Nachhaltiges Bauen». Laut Apples Angaben sei kein anderes Rechenzentrum dieser Grösse so hoch zertifiziert. Es erfülle ernorme Anforderungen an die Energieeffizienz. Tatsächlich hat Apple der Vorteil, das Gebäude von Anfang an nach den aktuellen Energieeffizienz-Standards zu bauen. Weil heute aber die Energiekosten die Anschaffungskosten eines RZ übersteigen, ist jeder Neubau vergleichsweise revolutionär mit einem Gebäude aus den 1970er Jahren wie dem RZ des Cern in Genf.

Strom für RZ in Oregon und Kalifornien grünt

In Pinneville, das im US-Bundesstaat Oregon liegt, baut Apple ein weiteres Rechenzentrum. Dort ist im Gegensatz zu North Carolina reichlich Wasserkraft vorhanden. Viel Energie aus Wasserkraftwerke in Oregon wird in den Raum Los Angeles übertragen. Dieser Bundesstaat weiss die Natur zu nutzen, ohne sie zu zerstören. Unter anderem entsteht an der Küste von Reedsport das erste kommerzielle Wellenkraftwerk in den USA. Apple kauft den gesamten Strombedarf aus Wind, Wasser- und Geothermie-Kraftwerken ein, wenn das RZ im Jahr 2013 in Betrieb geht.

Das bestehende RZ im kalifornischen Newark bekam Anfang des Jahres die staatliche Bewilligung zum Einkauf von erneuerbaren Energien. Apple lokalisiere und kaufe derzeit möglichst genug sauberen Strom, um bis Februar 2013 den Betrieb sicherzustellen.

(Marco Rohner)

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.