Quecksilber-Konvention fordert IT-Firmen

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140 Staaten haben die Quecksilber-Konvention verabschiedet. Ab 2020 soll das hochgiftige Schwermetall aus Produkten verschwinden. Laut Greenbyte.ch-Recherchen betrifft dies alle der vier grössten Computer-Marken HP, Dell, Apple und Lenovo. Auch Scanner von HP, Fujitsu und Xerox enthalten Quecksilber.

Eine japanische Mutter badet ihren Sohn, der an der Minamata-Krankheit leidet. (William Eugene Smith, 1971)


Gehäuse-Ventilator mit quecksilberhaltiger Kaltkathodenröhre. (pd)

10 Jahre nach Anstoss durch die Schweiz und Norwegen haben nach langen Verhandlungen und zuletzt 1-wöchigen Gesprächen rund 140 Staaten die Quecksilber-Konvention verabschiedet, um die Emissionen weltweit zu senken. Quecksilber in Batterien, elektronischen Bausteinen soll bis 2020 verboten sein. Dazu gehören Notebooks, Fernseher und PC-Bildschirme mit LCD-Technologie, die weisse Kaltkathodenröhren (CCFL) als Hintergrundbeleuchtung nutzen. Bereits heute sind beispielsweise viele Beamer, Scanner, Notebooks und Grossbildschirme frei von Quecksilber, falls LED-Technik zum Leuchten eingebaut ist.

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Quecksilberanteil von LCD-Bildschirmen

LCD-Bildschirme enthalten eine grosse Anzahl von quecksilberhaltigen Röhrchen. Auch Drucker, Scanner und Kopierer können quecksilberhaltige Leuchtstoffröhrchen mit Durchmessern bis zu 1 cm enthalten. Laut Fachliteratur betragen die Quecksilbergehalte pro Leuchtstoffröhrchen je nach Quelle 3,5 bis 5 respektive 5 bis 10 Milligramm Quecksilber (Hg). Forschungen der Empa im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt haben aber deutlich geringere Gehalte von 0,6 bis 1,6 Milligramm Hg pro Röhrchen errechnet – ein Grossteil des Quecksilbers ist gasförmig vorhanden. Dadurch sind in vielen Fällen über 20 mg Quecksilber pro Flachbildschirm-Fernsehgerät zu entsorgen. Zum Vergleich enthalten Energiesparlampen nur 4 bis 8 Milligramm Quecksilber.

Die vier grössten Computerhersteller HP, Dell, Apple und Lenovo wollen Quecksilber schon seit Jahren aus den Bildschirmen verbannten, haben aber teilweise bis heute noch quecksilberhaltige Modelle im Angebot. (Update 08.01.2014: Das gesamte aktuelle Apple-Portfolio ist von Quecksilber befreit.) Gefährlich ist das nicht für die Benutzer, sondern erst später im Recycling. Deshalb sollten sie beim Einkauf darauf achten. Lenovo geht mit bestem Beispiel voraus und bietet auf ihrer Website detaillierte Umweltdaten zu jedem einzelnen Produkt.

Neue Scanner enthalten Quecksilber 

Auch einige Scanner, Faxgeräte und Leuchtstoffröhren (wie sie in Computer-Gehäusen verbaut werden) enthalten Quecksilber. Im Angebot von HP, Xerox und Fujitsu haben wir Scanner mit CCFL gefunden wie den HP Scanjet G3110, Fujitsu fi-6140Z und Xerox Documate 3640. HP verkauft LED-Scanner als «Eco-Solutions». Epson und Canon setzten dagegen durchgehend LED-Technik ein. Dazu kommen weitere Alltagsgegenstände wie Energiesparlampen, Thermometer, Seifen und Kosmetika. 

Kohlekraftwerke sind grösste Verschmutzer

Die grössten Emissionsquellen von Quecksilber sind Kohlekraftwerke und die Brandrodung von Regenwäldern (Verbrennen von Biomasse). Laut dem deutschen Umweltbundesamt verschuldete 2010 die Kohle-Energiewirtschaft 71 Prozent (6,571 Tonnen) der Gesamt-Quecksilberemission. Weitere bedeutsame Quellen sind die Chlorproduktion, Zementwerke (vor allem bei Einsatz von Abfall als Brennstoff), Stahlerzeugung (vor allem bei Schrotteinsatz) und die kleingewerbliche Goldgewinnung.

Staaten gedenken Opfer in Minamata

17’000 kranke Menschen und 3000 Tote forderte Quecksilber in einer der grössten Umweltkatastrophen. (pd)

Die neue Konvention soll die Produktion von Quecksilber und die Nutzung im Herstellungskreislauf von Produkten und in industriellen Prozessen einschränken.  Die Konvention regelt auch, wie quecksilberhaltige Abfälle gelagert und behandelt werden. Ab 2020 darf kein neues Quecksilber mehr gefördert werden. Wer es dann noch verwenden will, muss es recyceln. Im Oktober 2013 wird das Abkommen in der japanischen Stadt Minamata zur Unterzeichnung durch die Staaten aufgelegt.

Jahrzehntelang fielen Bewohner von Minamata einer massiven Quecksilber-Kontamination zum Opfer – der Minamata-Krankheit. Nach heutigen Schätzungen wurden etwa 17’000 Menschen geschädigt, davon verstarben 3000 an den Verletzungen.  Die Ursache war das Abwasser einer Acetaldehyd-Fabrik an der Meerküste. Weitere  Fälle der Minamata-Krankheit traten entlang des Agano-Flusses in Japan und des Songhua-Flusses in China, sowie in Kanada und in Tansania auf. 1999 konnten japanische Wissenschaftler auch bei Indianern am Amazonas die Minamata-Krankheit nachweisen, dort gelangte das Quecksilber beim Goldwaschen in das Flusswasser.

Quecksilber ist für Lebewesen hochgiftig

Quecksilber wird bei Raumtemperatur flüssig, es verteilt sich deshalb leicht in der Atmosphäre und in den Ozeanen. Dort hält es sich dann über Jahrhunderte und dringt in den Nahrungskreislauf ein. Jährlich werden 340 Tonnen des Schwermetalls von Menschen aufgenommen, beispielsweise mit Lachs und Thunfisch. Das Schwermetall Quecksilber ist für Lebewesen hochgiftig. Quecksilber bis heute in vielen Alltagsgegenständen enthalten, obwohl der Stoff Lungen, den Verdauungstrakt und das Immunsystem angreift.

Je jünger der Mensch, desto anfälliger

Quecksilber-Salze können Haut und Augen verätzen und beim Verschlucken droht Tod durch Nierenversagen. Es reichert sich im Organismus an und kann insbesondere das Nervensystem und das Immunsystem schädigen und die Fortpflanzung stören. Je jünger die Opfer, desto anfälliger sind sie für die gesundheitlichen Schäden von Quecksilber. Das Nervensystem ungeborener Babys kann dauerhaft beeinträchtigt werden. Auch Säuglinge und Kinder sind in höchstem Masse anfällig für die Auswirkungen des Schwermetalls.

(Marco Rohner)

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.