Swisscom lanciert SMS-Nachfolger «iO»

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Swisscom hat den Kommunikations-Service «iO» lanciert. Die Technologie basiert auf Joyn, das Video- und Text-Nachrichten ohne Server direkt an Kontakte schickt. Die Infrastruktur ist dezentral aufgebaut mit Servern in der Schweiz.

Joyn-Smartphone

Die iO-Technologie basiert auf Joyn und schickt Nachrichten ohne Server direkt an Kontakte für besseren Datenschutz. (pd)

Mit «iO» können Swisscom-Kunden miteinander kommunizieren. Ob mittels Textnachrichten wie bei SMS oder Whatsapp, per Filesharing oder Telefongespräch. Der Nutzen ist aber ein höherer Datenschutz, weil Swisscom keine Adressbücher speichert wie Whatsapp. «Dank iO profitieren Swisscom Kunden auch im Ausland von günstiger Telefonie mit der eigenen Nummer», sagt Urs Schaeppi, Leiter Swisscom Schweiz. Es reicht eine Daten-Verbindung wie zum Beispiel WLAN im Hotel für die Kommunikation über die App. Die nötigen Daten für den Betrieb werden in der Schweiz gespeichert. Das grösste Swisscom-Rechenzentrum steht in Zürich beim Hardturm (lesen sie mehr dazu hier: Solarstrom für Swisscom-Rechenzentrum). Derzeit ist der Dienst als App per iTunes für Apples iOS-Geräte und für Android 4 verfügbar: Link zur iO-App auf iTunes und Link zur Android-Version. Eine Windows-Version ist  unbestätigt. Eine App-Version für Tablets sei laut Swisscom bereits in Entwicklung und folge im Spätsommer.

Ausserdem vereinfacht der Dienst die Kommunikation, weil das separate Anmelden entfällt und der Dienst alle Kontakte sofort einbindet. Die Anwendung vereint beispielsweise getauschte Bilder und Dateien, gesendete Nachrichten und Zeitpunkt der Telefongespräche mit der gleichen Person in derselben Chat-Ansicht. Google kopierte im Mai diese Ansicht für die eigene neue Nachrichten-App «Hangouts» (lesen sie mehr dazu hier: [p2p type=“slug“ value=“google-tauscht-mehr-zeit-fur-noch-mehr-daten“][/p2p]).

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 Joyn-Technologie schützt Daten besser als Whatsapp

swisscom io 2

Swisscom kann die Joyn-Technologie auf eigenen Servern betreiben. (pd)

Die Technologie basiert auf Joyn, das Nachrichten ohne Server direkt an Kontakte schickt. Auch die Infrastruktur ist dezentral aufgebaut. Im Gegensatz zu zentralisierten Diensten wie Whatsapp steht es bei Joyn jedem Mobilfunkanbieter frei, seine eigene Infrastruktur aufzubauen. Swisscom behält so die Kontrolle und Verantwortung über die Daten. Es gelten also für die Datensicherheit einzig die Schweizer Gesetze.

Über Schnittstellen zu andern Anbietern, so genannte «Interconnects», wird bei Joyn sichergestellt, dass auch providerübergreifende Kommunikation möglich ist. So können nun auch Nutzer von Sunrise und Orange sich Nachrichten per Swisscom iO zuschicken.

Beim Protokoll von Joyn fliessen die Nachrichten nicht über einen Server, sondern von Endgerät zu Endgerät. Das Endgerät sendet SIP-Nachrichten zu den Kontakten im Telefonbuch und wartet auf eine Antwort von dem angefragten Endgerät. Es werden keine Telefonbucheinträge auf einem zentralen Server gespeichert. Dies und die dezentrale Struktur machen Joyn aus Datenschutz-Sicht deutlich sicherer als Alternativen wie Whatsapp.

Idee von Nokia

Die Entwicklung von Joyn wurde ursprünglich von Nokia gestartet und vom internationalen Branchenverband der GSM-Provider (GSMA) vorangetrieben (Link zu Joyn). Im Februar 2012 wurde Joyn erstmals am Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt. Erst am 21. Juni erschien Version 5.1. Die genauen Spezifikationen können auf der GSMA-Website für RCE eingesehen werden. Sie läuft auf den Betriebssystemen von Microsoft (Windows Mobile, Windows-NT-Linie ab Windows XP), Apple (iOS) und Google (Android) laufen.

Bedenken des Datenschutzes

joyn und swisscom io Datenschutz

Der Datenschutz von Joyn unterliegt Schweizer und europäischen Normen. (pd)

 

Mit dem Start in Deutschland bei der Deutschen Telekom, Vodaphone und O2 wurde bekannt, dass Telefongespräche nicht verschlüsselt werden. Die Kommunikation war ungeschützt und konnte technisch von Dritten leicht abgefangen werden. Die Verschlüsslung ist aber im Standard vorgesehen mit sehr vielen Möglichkeiten. Gemäss den technischen Spezifikationen der aktuellen Version 5.1 (Lesen sie hier die Spezifikation: Link ) muss aber der Provider selbst die Verschlüsselung vornehmen, weil gemäss Standard für jede Netzart wie W-LAN, ADSL oder Glasfaser einzeln eine Lösung nötig ist (Abschnitt 2.9.2.1 im erwähnten Dokument).

Geplante Merkmale und Funktionen (Joyn):

  • Erreichbarkeitsstatus

  • Erweiterte Telefonie (klassische mobile Sprachtelefonie mit gleichzeitiger IP-basierter Videoübertragung, Instant Messaging oder Übertragung von Dateien)

  • Textnachrichten mit einem oder mehreren Teilnehmern

  • Austausch von von Kontaktinformationen (vCard), Bild- und Videodateien, auch während eines Telefonats oder verzögert, falls der Empfänger nicht erreichbar ist. 

  • Orten des Kontakts (nach Erlaubnis des Georteten)

  • SMS und MMS

  • Einfache Anpassung des Layouts, beispielsweise durch die Provider

  • unterstützte Audio-Codecs: AMR-NB, AMR-WB, G.711 a-law, G.711 u-law, Speex, iLBC

  • unterstützte Video-Codecs: H.263, H.264, WebM

 

Swisscom offeriert Telefonie für alle iO-Nutzer, auch von Sunrise und Orange

Ab 1. Juli startet Swisscom zwei Optionen, die iO-Nutzer bei Bedarf hinzubuchen können, je eine für das In- und Ausland. Die Smartphone-Abos «Infinity» haben sie teilweise schon integriert. Die Inland-Option «Flat CH» steht auch den Kunden anderer Mobilfunkanbieter zur Auswahl. Nur die Ausland-Option ist Swisscom-Exklusiv  und ermöglicht unbegrenztes Telefonieren und Nachrichten senden nach Europa, Kanada und in die USA. 

(Marco Rohner)

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.