VMware-Cloud zwischen Offenheit und Plattform-Dominanz

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Die grosse Produktneuheit von VMware in Barcelona war der Start von «vCloud Hybrid Service» in Europa. Im Unterschied zu anderen «Public Clouds» von Google und Amazon hat VMware den Vorteil der Dominanz in den Rechenzentren. Diese Verbindung ins Internet benötigt einen klaren Datenschutz. Kommt ein Schweizer Standort dazu und der Open-Source-Hypervisor?

 

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Starke Technologie-Partner wie Netapp sichern VMware die Dominanz. (mro)

Die grosse Produktneuheit von VMware in Barcelona war der Start von «vCloud Hybrid Service», des Angebots für «Infrastruktur-as-a-Service» (IAAS) in Europa. Im Unterschied zu anderen Public Clouds wie den Pionieren und Marktführern wie Google, Amazon Web Services und Rackspace bietet VMware eine direkte Integration in die bekannte Software-Umgebung «vCloud» an, die auf vSphere aufbaut. Mit dem darunterliegenden ESXi-Hypervisor werden gemäss Gartner rund 80 Prozent aller Server weltweit betrieben.

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Das neue Angebot namens «vCloud Hybrid Service» ist somit eher eine Plattform-as-a-Service (PAAS), die fast bit-gleiche virtuelle Maschinen mit mehrere tausend Applikationen im Internet anbietet, darunter auch SAP Hana, die sich per Knopfdruck im Infrastruktur-Management dazu mieten lassen und dann extern laufen – der Prozess ist so einfach wie eine App auf einem Smartphone zu installieren. Eine Instanz aus dem «vCloud Hybrid Service» lässt sich aber später nicht einfach so in die eigene Server-Umgebung verschieben, sondern muss gesondert migriert werden – jedoch mit den selben Technologien für Backup und Wiederherstellung, die in der VMware-Software im täglichen Einsatz sind.

«vCloud Hybrid Service» startet ab sofort für Europa von Slough in Grossbritanien aus, westlich von London. «Wir erweitern das Angebot um weitere Standorte», sagte Bill Fathers, Senior Vice President von VMware und General Manager der Hybrid Cloud Services, an der Pressekonferenz. Als Cloud-Anbieter sei VMware so neutral wie die Schweiz auf politischer Ebene. Auf Nachfrage von Greenbyte.ch nach einen geplanten Schweizer Standort wollte Fathers nichts konkretes sagen. Bienz bestätigte aber, dass ein Schweizer Standort für Schweizer Kunden von der Nachfrage abhänge und dies relativ schnell einzurichten sei.

Minenfeld der Privatspäre

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Pat Gelsinger steuert VMware in den Cloud-Markt gegen Google und Amazon. (mro)

VMware steigt in das Minenfeld der Privatsphäre, das alle Public-Cloud-Anbieter durchschreiten müssen. Als amerikanisches Unternehmen mit proprietärer Software wird es schwierig sein, besonders bei europäischen Kunden, das Vertrauen für die Daten zu gewinnen. Genau wie bei Google, Amazon, Rackspace und Microsoft können Organe der USA Datenzugriff und Verschwiegenheit verlangen oder können dies über Hintertüren bereits selbst tun. Doch fairerweise ist hier anzumerken, dass VMware nicht konkret im Verdacht von solchen „Backdoors“ steht. Auch für die Arbeitsweise der NSA ist es unsinnig, sich auf einzelne Maschinen und dann noch zwischen Hard- und Software einzuhängen, weil da keine brauchbaren Daten abzugreifen sind, sondern nur operationeller Maschinencode. Für Wirtschaftsspione sind unverschlüsselter E-Mail-Verkehr, Nutzerprofil-Daten aus Public Clouds, Cracks für Verschlüsselungtechniken sowie Kommunikationsverkehr an Internet-Knoten um mehrere Dimensionen einfacher abzugreifen. Wie jedes Jahr wurde auch diesmal der CEO Pat Gelsinger an der Pressekonferenz zur Öffnung des Source-Codes des seit 2011 ohnehin gratis erhältlichen ESXi-Hypervisors befragt. Was für eine Frage? Natürlich verneinte er wieder einmal – und wohl nicht zum letzten Mal.

Zweigleisig in der «Open Cloud» 

Auch das Aufkommen von Opensource-Cloud-Infrastruktur-Software wie Openstack, Apache Cloudstack oder die Virtualisierungsangebote von Xen und KVM konnten VMware nicht aus ihrer Marktdominanz drängen. Dass nun eventuell aufkommende Fragen aus dem Markt betreffend Privatsphäre sich auf die Infrastruktur so weit ausweiten, dass VMware die Software-Kronjuwelen offen legt, ist unmöglich zu erwarten. Dass es theoretisch sowieso keine Sorgen geben muss und mit einem Open-Source-Schritt alle Bedenken rigoros ausräumt würden, dazu fehlt bei VMware merklich der Antrieb. Die Produkt-Strategie richtet sich nach dem geschlossenen Modell nach Microsoft- und Apple-Vorbild, mit dem integrierten Sicherheitsrisiko von geheimen Hintertüren, und nicht nach den Prinzipien von freier Software wie bei Linux, Apache und Openstack, die jeder für sich kontrollieren, verändern, verbessern und teilen darf. Allerdings hat VMware mit Cloud Foundry auch eine «Plattform-as-a-Service» (PAAS) erschaffen, die Open-Source-Software ist und zum Beispiel neue Apps ermöglicht. Die Linux Foundation hat in ihrem frisch publizierten Open-Cloud-Report sogar Cloud Foundry erwähnt. Neu ist eine eigene Cloud-Foundry-Instanz mit vSphere 5.5 auch im eigenen Rechenzentrum zu betreiben. 

(Marco Rohner, Barcelona) 

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.