8’800 Besucher an der VMworld in Barcelona

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Der Puls des Unternehmens VMware ist zweimal im Jahr an der VMworld spürbar – zusammen mit über 12’000 (USA) Anwendern und Partnern, respektive 8’800 in Europa. Die europäische Ausgabe fand dieses Jahr zum sechsten Mal statt. Die grösste Neuheit des Anlasses und zugleich grösste Herausforderung des Veranstalters ist die eigene «Public Cloud».

 

VMworld Europe 2013 - Pat Gelsinger - Keynote Day 1

Pat Gelsinger eröffnet nach mehr als einem Jahr als VMware-CEO die VMworld 2013. (mro)

Der Puls des Unternehmens VMware ist zweimal im Jahr an der VMworld spürbar – zusammen mit über 12’000 (USA) Anwendern und Partnern, respektive 8’800 in Europa. Die europäische Ausgabe fand dieses Jahr vom 14. bis 17. Oktober zum sechsten Mal statt, nach Cannes (2008-2009) und Kopenhagen (2010-2011) zum zweiten Mal in Barcelona. Anders als sein Vorgänger Paul Maritz stellt VMware-CEO Pat Gelsinger in seinem Eröffnungsvortrag nicht die Technologie in den Vordergrund, sondern primär daraus resultierende Produkte von VMware für die Virtualisierung des Rechenzentrums.

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Die Technologie von VMware ist der Hypervisor, er erlaubt die Virtualisierung von Computer-Systemen. Der Hypervisor simuliert Hardware. Er bildet einen trennende Software-Schicht zwischen Hard- und Software, die das Management und die Kontrollierbarkeit von mehreren Betriebssystemen erlaubt sowie die Auslastung der Hardware erhöht. Das spart Energie und Betriebskosten.

Das virtuelle Rechenzentrum ist eine logische Folge der gleiche Abstraktion der Software von der Hardware, wie sie bei der Server-Virtualisierung bereits weit verbreitet ist. Sie ist vorallem für Service-Anbieter interessant, da nun vom Server über den Speicher bis zum Netzwerk und der Firewall jede Instanz virtualisiert und somit in einer Software verfügbar ist. Per Knopfdruck starten neue Maschinen wie im Videospiel.

«Lost in Products» 

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Rund 8’800 Besucherinnen und Besucher fanden zur VMworld 2013 in Barcelona zusammen, um einen Überblick der neuen Möglichkeiten der Cloud von VMware und auch der Konkurrenten zu gewinnen. (mro)

VMware zeigt in Barcelona die Neuheiten der Server-Virtualisierung vSphere 5.5, die höhere Leistungseinstellungen ermöglicht und so vor allem den Betrieb von geschäftskritischen Programmen wie grossen SAP ERP und Oracle Datenbanken verbessert. VMware führte ausserdem neue Hypervisor vor, die Speicher- und Netzwerk-Hardware virtualisieren. Der Netzwerk-Hypervisor NSX ist allerdings nichts neues aus dem Hause VMware, aber trotzdem eine bahnbrechende Technologie, deren Mastermind mit Martin Casado seit der Nicira-Übernahme bei VMware arbeitet. Aus der Doktorarbeit von Casado an der Universität Stanford (USA) entstammt die Theorie des „Software-defined Networking“ und die Software Openflow. Die Netzwerkvirtualisierung „NSX“ stammt aus der Übernahme der Firma Nicira für 1,26 Milliarden Dollar im Jahr 2012. Stanford-Professor Nick McKeown und U.C. Berkeley Professor Scott Shenker waren Mit-Gründer von Nicira und gründeten ihrerseits 2011 die Open Networking Foundation.

Speicher-Innovationen verändern IT

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Zur VMworld 2013 in Barcelona bringt VMware die eigene Cloud nach Europa. (pd)

Auch den Storage-Hypervisor «Virtual SAN» als Management-Schicht zwischen den virtuellen Servern und der verbundenen Speicher-Hardware hat VMware nicht erfunden. Er erweitert aber die Funktionen von den Kernprodukten in sehr logischer Weise: in dem die Speicher ebenso zusammen gefasst und gemanaged werden wie die Server-VMs. Ein Szenario wäre die Notfall-Wiederherstellung, sogenannte «Disaster Recovery».

Auch neu im Portfolio von VMware ist die Cloud-Betriebsmanagement-Software aus der vCloud-Suite, sowie die für Anwender nützlichere «IT-Business-Management-Suite», die Kosten von Installationen im Voraus anzeigt. Dazu kam ein für Administratoren nützlichen Logfile-Manager, eine Suchmaschine für Logfiles, die diese unstrukturierten Daten sortiert. Das ganze Angebot an Neuigkeiten für IT-Manager war noch nie so gross, weil lokale (on-premise) wie auch auswärtige (off-premise) Instanzen und Ressourcen, sowie Monitoring und Backup komplett abgedeckt werden – sowohl für Service-Provider, Administratoren, Management und Entscheider.

Speziell aufgefallen ist ein US-Unternehmen aus San Jose namens Pernixdata, die Kapazitäten von Solid-State-Disks (SSD) im Server und im SAN zusammenfassen und für die virtuellen Maschinen nutzbar machen. Sie diesen als Cache mit voller Schreib- und Lese-Kompatibilität der Daten zwischen Server und Storage. Die extrem schnellen und energiesparenden SSD sind eine Revolution im Speichermarkt, aber werden noch zuwenig genutzt, obwohl sie teilweise sogar in den Servern direkt verbaut sind. An dieser Stelle zeigen wir ausnahmsweise ein Video des Unternehmens, weil es mit Kundeninterviews die echten Vorteile der Software zeigt, um die revolutionäre Hardware besser auszunutzen. VMware-Software besitzt zwar neu auch eine Funktion namens «Flash-Read-Cache», die zwar Applikationen um das zweifache beschleunige, aber nur lesen kann.

VMware zeigte virtuelle Desktop-Lösungen, basierend auf Client- und Server-Software, deren Kosten erstmals billiger sind als für normale, physikalische Notebooks. Die Übernahme von Desktone habe hier gemäss Gelsinger eine zentrale Rolle gespielt, um die Kosten pro Arbeitsplatz dramatisch zu senken. Wir werden darauf noch genauer ein einem seperaten Artikel mit einem Anwenderbeispiel eingehen. Neu war noch, dass alle Produkte des sogenannten «Enduser-Computing», bekannt mit «VMware View» für Desktops und «Horizon» für Mobilgeräte, nun als «Horizon Suite» zusammen gefasst sind, mit  Horizon View, Horizon Mirage (für Windows-Images) und Horizon Workspace (für Anwendungsvirtualisierung auf jedem Gerät). Im Messeraum mit HP, IBM, Dell, Cisco und Netapp mit den grössten Ständen sowie viel auffälliger Innovation kleinerer Sponsoren rund um das virtuelle Rechenzentrum, besonders aber SSD-Storage und View-Lösungen bekommt man einen Überblick über die Automation der Informatik, die VMware-CEO Pat Gelsinger an seiner Keynote proklamierte als «IT as a Service». 

Hürden und «Hybrid Cloud»

Die Strategie Gelsingers trifft aber noch auf einige Hürden, die zuerst Veränderungen bei den Anwendern erfordern. Um die Vorteile zu nutzen, muss die IT-Abteilung wie eine Service-Anbieter aufgestellt sein; sie müssen zwei Geschäftsmodelle unter einen Hut bringen: die Kapitalkosten, wegen Investitionen in die Hardware einer Private Cloud, um wichtige Daten im eigenen Haus zu schützen, müssen mit den Betriebskosten harmonieren, die für die höhere Agilität mittels Cloud Computing verrechnet werden. Jedes Unternehmen muss sich Gedanken machen, welche Arbeitsaufgaben eines Computers wie und wo zusammengefasst werden können, um insgesamt mit gleichviel oder weniger Budget mehr zu erledigen. Cloud Computing wäre grüner, nachhaltiger und meist billiger.

Entscheidend ist die Datensicherheit und das Vertrauen in den Anbieter. Die Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit von Applikationen muss gewährleistet bleiben. Als Lösung sieht Gelsinger die Möglichkeiten einer Hybrid-Cloud, der Kombination des virtuellen Rechenzentrums im eigenen Haus mit externen Dienstleitungen per Internet. Diese Idee einer IT-Abteilung als Service-Anbieter hat VMware-Präsident und COO Carl Eschenbach an der Keynote des zweiten Tages im Rollenspiel präsentiert: mit ihm als Firmenchef und einem VMware-Mitarbeiter als IT-Leiter. Auf einer grafischen Oberfläche sah das Einrichten eines Server-Clusters für eine geschäftskritische Applikation wie ein Kinderspiel aus. Als ob man keine Fachkräfte mehr bräuchte.

Doch diese simple Informatik ist nur Schein. Das weiss auch Gelsinger. Sollten die Prozesse vom Menschen mal zur Automation umgestellt sein, wird es umso besser ausgebildete Fachkräfte brauchen, die neue Probleme zu umgehen oder zu beheben wissen. Nicht umsonst ist die Teilnehmerzahl an der VMworld mit 20’000 Männern und Frauen so hoch, weil es die Fachkräfte so dringend braucht und sie sich da gleichzeitig informieren und zertifizieren können. Gelsinger nennt sie «Champions». Auch zum Feiern bietet die VMworld eine grosse Party inklusive digitaler Grafitti-Wand und Roller-Disco – zusätzlich zum bereits attraktiven Angebot in der Gaststadt. Auch im nächsten Jahr wird in Barcelona wieder die VMworld stattfinden und die Party der «Champions» steigen.

(Marco Rohner, Barcelona)

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