Léo Apotheker lenkt HP in moderne Bahnen

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K O M M E N T A R – Léo Apotheker von Hewlett-Packard gibt einen Strategiewechsel bekannt und fokussiert Software sowie Lösungen. Dazu soll das weltweit grösste PC-Geschäft abgestossen werden. Er verdient dafür Lob, denn das ICT-Geschäft verändert sich schneller, als dies Riesenkonzernen wie HP lieb ist.

Léo Apotheker führt HP seit November 2010 als CEO. (pd)

Léo Apotheker hat in seinem ersten Geschäftsjahr als CEO von HP den Umsatz auf 128 Milliarden Dollar angehoben. Mit ihm fokussiert HP konsequenter auf Software und Lösungen. Dazu will er das weltweit grösste PC-Geschäft abstossen. Es ist laut dem Geschäftsbericht 2010 mit rund 41 Milliarden Dollar der umsatzstärkste Geschäftsteil von HP, trägt aber mit 2 Milliarden Dollar nur knapp einen Sechstel zum Konzerngewinn bei. Wir leben in einer Zeit des verschwindenden Computers, in der immer mehr Programme und Rechenaufgaben über das Internet in Rechenzentren laufen. Laut einer neuen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Gartner unter 2’000 CIOs, erwartet jeder Zweite bis im Jahr 2015 die Mehrheit ihrer Programme und ihrer Infrastruktur via Cloud-Computing zu betreiben.

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Laut einer neuen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Gartner unter 2’000 CIOs, erwartet jeder Zweite bis im Jahr 2015 die Mehrheit der Programme und die Infrastruktur via Cloud-Computing zu betreiben.

Desktops und Notebooks, eigentlich laute Kisten und kiloschwere Klappergestelle mit hohen Kosten und minimaler Marge, sind Relikte einer vergangenen Ära des verschwenderischen Konsums. Ein paar Berufsgruppen wie Designer und Konstrukteure, die an ihren Arbeitsplätzen grosse Datenmengen wälzen, sind auch in Zukunft auf diese enorme Leistung angewiesen. Die Mehrheit der Nutzer ist mit kleineren Geräten besser bedient. Diese Energiefresser von PC und Notebooks sind fast nur noch im Angebot wegen deren Ressourcen verschlingenden Desktop-Betriebssystemen, deren aufgeblähten Mammutprogrammen und der reinen Gewohnheit der Kunden.

Neue Ära des Computings erfordert effiziente Geräte

Technologisch sind kleinere Rechner in Form von Netbooks, Tablets und Smartphones längst auf der Höhe. Sie sind bei der Akku-Laufzeit den Notebooks überlegen und bei den Kunden akzeptiert. Die kleinen Rechner sind zudem billiger, leiser und leichter. Sie verbrauchen weniger Strom, erzeugen weniger Hitze und können aus dem Produktionsland China umweltschonender transportiert werden. Zudem benötigen sie weniger giftige Rohstoffe und verpesten mit weniger Abfall und Recycling-Aufwand auch weniger die Umwelt. Die grossen Rechenaufgaben und Programme laufen über das Internet im Rechenzentrum. Für die Ergonomie ist die Peripherie-Industrie besorgt, zum Beispiel mit grossen Bildschirmen und optionalen Steuererweiterungen wie Maus und Tastatur. Wie Apple hat auch HP mit eigenem Zubehör diesen lukrativen Markt schon selbst erschlossen.

Technologisch sind kleinere Rechner in Form von Netbooks, Tablets und Smartphones längst auf der Höhe. Sie sind bei der Akku-Laufzeit den Notebooks überlegen und bei den Kunden akzeptiert.

Mit dem angekündigten Verkaufinteresse des weltgrössten PC-Geschäfts hat HP viel Lob verdient. HP wünscht nicht, die ehemals von Compaq integrierte Geschäfteinheit auf eine zukunftsfähige Grösse zusammen zu schmelzen. Für das abrupte Ende des Tablet- und Smartphone-Geschäfts bleibt weniger Lob. Es gibt durchaus Möglichkeiten, das interne und dazugekaufte Know-how zu nutzen, sei dies für Hard- und Software von Smartphones und Tablets (Palm) oder die kanadische Edelmarke Voodoo-PC im Bereich Computer und Notebooks. Letztere verfügt über Know-How, wie man hervorragende Spezialrechner baut, die bärenstark und trotzdem effizient sind. Die HP-Geschäftseinheit Personal Systems Group (PSG) ist sehr wohl zu Innovation fähig, wenn man sie lässt. Beispiele der letzten Jahre sind der erste massenproduzierte All-in-One-PC Touchsmart (2007), die ganze Touchsmart-Serie (ab 2008) und ein ultraportabler Business-Tablet-PC mit dem Modell 2710p (2007). Dies sind jedoch auch Beispiele für Nischenprodukte, genauso wie der Slate, HPs Tablet mit Windows 7.

Partnerschaft mit Microsoft vor Herausforderung

Sowohl Slate wie Touchsmart wurden von Microsoft-CEOs Balmer (Slate) und Gates (Touchsmart) erstmals vorgestellt. Lässt HP das PC-Geschäft fallen, würde Microsoft einen bevorzugten Partner verlieren und sich gemäss heutiger Einschätzung Dell zuwenden. HP würde so eher zum Konkurrenten im Outsourcing und Service-Geschäft rund um Server und Rechenzentren, respektive Cloud-Computing, zumal drei der grössten Übernahmen der letzten Jahre 3PAR, 3Com und EDS waren. Derzeit lassen sich im Bereich Enterprise Server und Storage (ESS) noch exklusive Geschäfte mit Microsoft machen, wie die im Juni vorgestellten drei Appliances zeigen, die Software für Business Intelligence, Data-Warehouse und Sharepoint in einem Gerät bereitstellen. Das kann sich jedoch schnell ändern.

HP droht nicht nur das Prestige zu verlieren, sondern wichtige Hersteller als Partner. Speziell das riesige Partnernetzwerk von HP, das über 200’000 Unternehmen umfasst, die tagtäglich für HP die Kunden bedienen, wird Federn lassen müssen. Den Cloud-kompatiblen unter den Business-Partnern macht HP schon heute den Hof mit einer umfassenden Cloud-Channel-Strategie, die eine «Sales Academy», mehrere «Cloud Center of Excellence» und die Planungshilfe «Cloud Map» einschliesst. Ein eigenes PC- und Notebook-Geschäft ist für den Transfer in die Cloud eigentlich unbedeutend, wenn nicht sogar hinderlich. Das Geld dafür kann HP für weitere Übernahmen im Service- und Software-Bereich weit besser gebrauchen – wieso nicht im Bereich Virtualisierung?

(Marco Rohner)

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