Googles Strombedarf trübt CO2-Bilanz

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Google hat in diesem Jahr erstmals seinen Energieverbrauch und  den CO2-Ausstoss veröffentlicht. Der US-Internetriese bezog 2010 rund 226 Megawatt Strom — auch aus Kohlekraftwerken. Alleine die Klimagase erreichen einen Wert von 1,46 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente (CO2e).

Solarenergie ist im Hauptquartier von Google bereits Standard. (pd)

Google hat nach Jahren des Schweigens den effektiven Stomverbrauch veröffentlicht. 226 Megawatt Strom verbraucht der Konzern pro Jahr. Das ist vergleichbar mit der Stadt Genf, respektive 320’000 europäischen Haushalten. Googles Rechenzentren bearbeiten jeden Tag mehr als eine Milliarde Suchabfragen, kartografieren für 200 Millionen Smartphone-Nutzer und verwalten vier Millionen Unternehmenskunden in der Cloud.

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Das Unternehmen redete zuvor die Energieeffizienz der Eigenbau-Server in ihren Rechenzentren schön, beantwortete aber nicht die Fragen nach dem Gesamtverbrauch von Strom und Abgasen – ein solches Geschäftsgeheimnis waren zuvor auch die Server. Im September lüftete der ETH-Absolvent Urs Hölzle das Geheimnis. Er zeichnet als Senior Vice President für die technische Infrastruktur von Google verantwortlich. In seinem Blog geizt Hölzle denn auch nicht mit Vergleichen, um seine Arbeit ins rechte Licht zu rücken.

Google-Nutzer verbrauchen 188 Watt pro Monat 

Eine durchschnittliche Google-Suche verbrauche 0,3 Watt. Mit einhundert Suchabfragen könne ein 30-Watt-Notebook eine Stunde arbeiten. Ein so sparsames Notebook würde Intel jedoch als Netbook oder Ultrabook bezeichnen. Mit dem Ersetzen eigener Server durch Dienste aus Googles Rechenzentren beträgt der Effizienzgewinn 80 zu 1: Mit dem Stromverbrauch eines einzelnen Servers kann Google über 80 Server in der Cloud betreiben.
E-Mail-Server schneiden schlecht ab, wie Google im Stromvergleich mit der Cloud aufzeigt. (pd)

In einem Monat verbrauche ein durchschnittlicher Google-Nutzer 188 Watt Strom, so viel Energie wie ein Licht das drei Stunden lang brennt, sagte Hölzle. Er rechnete mit einer 60 Watt Glühbirne, eine Stromspar-Lampe würde sogar neun Stunden brennen. Dies schliesse die Suchmaschine, das Videoportal Youtube oder den E-Mail-Dienst Gmail mit ein. Das dreitägige Abspielen von Youtube-Videos schlucke so wenig Energie wie die Herstellung, Verpackung und Lieferung einer DVD. Dem Unternehmen zufolge funktionieren alle Dienste kohlendioxidneutral, weil der CO2-Ausstoss durch den Kauf von Schadstoffzertifikaten ausgeglichen werde.

Google-Müll erzeugt mehr CO2 als Fahrzeugflotte

Das neue Google-Rechenzentrum in Finnland kühlt mit Meerwasser. (pd)

Das Unternehmen konnte den durchschnittlichen CO2-Jahresausstosss pro Nutzer auf 1,46 Kilogramm bilanzieren. Googles selbstproduzierte Abgase aus Street-View-Autos, Shuttle-Bussen, Firmenwagen und eigenen Tankanlagen erreichten rund 11’000 Tonnen Kohlendioxidäquivalente (CO2e); weniger als die Abgase aus den firmeneigenen Mülldeponien, die 13’000 Tonnen der Klimagase verursachten. Immerhin beschäftigte der Internetriese per September 2010 über 23’000 Angestellte – heute sind es mehr als 32’000.

Das Hundertfache schlug mit 1’230’000 Tonnen CO2e für den Strom der Büros und Rechenzentren zu Buche. Google hat zwar in Oregon und Iowa grosse Rechenzentren mit Zugriff auf erneuerbare Energien gebaut, aber gleichzeitig wegen Steuervergünstigungen und billigem Strom aus Kohlekraftwerken die Standorte in North Carolina, South Carolina und Oklahoma als sinnvoll erachtet.

Andere indirekte Abgase musste das Unternehmen aus Geschäftsreisen, durch Betrieb der Mitarbeiter-Rechner, aus der Server-Produktion und aus dem Rechenzentrumsbau hinnehmen.

(Marco Rohner)

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