SAP soll sich alter Stärke rückbesinnen

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Der 13. Jahreskongress der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) hat in Bremen mit knapp 4’000 Besucher eine neue Höchstmarke erreicht. Die Keynote des DSAG-Vorstands fokussiert fünf aktuelle Handlungsfelder. Zum Abschluss wurde als neuer Vorstandsvorsitzender Marco Lenck gewählt.

Jim Snabe (r.) beschenkt Karl Liebstückel zu seinem Abschied als DSAG-Vorstandsvorsitzender. (pd)

 

Fast 300 Vorträge in 52 Themensitzungen und 175 Partner auf einer Ausstellungsfläche von 14’600 Quadratmetern haben den Rahmen für die grösste und wichtigste SAP-Usergroup-Veranstaltung in Europa gebildet. In der Schweiz ist nun 181 Unternehmen und 2000 Mitgliedern stark. Die DSAG hat auf ihrer Mitgliederversammlung anlässlich des  Jahreskongress in Bremen zwei Vorstandspositionen neu besetzt. Zum Vorstandsvorsitzenden wurde Marco Lenck gewählt. Lenck ist Vice President IT von Rhein Chemie Rheinau. Andreas Giraud, Senior Manager für die IT-Strategie im Konzern bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, wurde zum neuer Vorstand im Ressort Technologie ernannt. Nach fünfjähriger Amtszeit als DSAG-Vorstandsvorsitzender trat Karl Liebstückel aus beruflichen Gründen zurück. Seine Abschiedsrede hat die DSGA als Video veröffentlicht. Vorstandsmitglied Waldemar Metz, der sein Amt vier Jahre ausübte, konnte kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Lenk versprach: «Ich stehe bei der DSAG für Kontinuität. Mir liegt sehr daran, die gezielte fachliche Arbeit in den einzelnen Ressorts mit allen Beteiligten in hoher Intensität fortzuführen und so die Top-Themen für SAP-Anwender weiter voranzutreiben.»

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Unter der Überschrift Agenda 2012 hat die DSAG die wichtigsten strategischen Handlungsfelder definiert und auf dem Jahreskongress in Bremen vorgestellt. Damit ein ERP im Mittelpunkt anderer Systeme funktionieren kann, braucht es durchgängige Geschäftsprozesse – sie dürfen nicht an den Produktgrenzen aufhören. Es braucht nutzengerechte Preismodelle, damit die Produkte eingesetzt werden. Der Einführungsaufwand für SAP in der Fachbabteilung muss reduziert werden, damit mehr Lösungen nicht für die IT-Abteilung, sondern für die Nutzer gebaut werden. Der abtretende Vorstandsvorsitzende Karl Liebstückel fordert von SAP, ihre IT-Lösungen zu einem besseren und einfacheren Gesamtsystem zu integrieren, mit dem ERP im Zentrum. «Die gute Integration war der grosse Unterschied von SAP gegenüber anderen Softwareanbietern», sagte Liebstückel. 

Wachsendes SAP-Portfolio steigert Komplexität

Der Vorstand fordert SAP auf, das ERP wieder ins Zentrum zu stellen und Lizenzen dem Geschäftsverlauf der Kunden anzupassen. (pd)

Das Portfolio der SAP vergrössere sich ständig durch Eigenentwicklungen und Zukäufe. «Deren Integration macht die Gesamtarchitektur in den Anwenderunternehmen immer komplexer und erhöht den Aufwand für Pflege und Betrieb», sagte Zumbach in einem Telefoninterview mit Greenbyte.ch. Funktionen für Produktion und Einkauf sollen ins ERP, um Medienbrüche zwischen den einzelnen Lösungen zu verhindern und den Aufwand zu vermeiden für zusätzliche Schnittstellen zur Integration. 

Eine weitere  aktuelle Herausforderung für SAP-Anwender bestehe in der steigenden Komplexität durch Neuentwicklungen und Zukäufe sowie die Integration von Mobile und Cloud, die um das Herzstück SAP ERP mit dessen Komponenten gebaut sind. Die DSAG fordert, dass SAP die Entwicklungs-Anstrengungen im ERP intensivieren soll und neue Produkte besser integriert. «So lässt sich Komplexität vermeiden. Ausserdem fordern wie gesetzliche Anforderungen im Rahmen der Wartungsgebühren bei allen Produkten im aktiven Support-Fenster zu realisieren», so Liebstückel.

Geschäftsprozesse gehören  in SAP Business Suite

Kerngeschäftsprozesse werden heute in Unternehmen ganzheitlich betrachtet. Dieser Tatsache soll die SAP Business Suite mit den verschiedenen Komponenten wie ERP, CRM, SCM, SRM und PLM gerecht werden. Die Herausforderung bestehe darin, dass es teilweise Medienbrüche zwischen den einzelnen Lösungen und aufwändige Schnittstellen gibt. Es sei dringend nötig, die End-to-end-Prozesse zu vereinfachen. Ein erster Ansatzpunkt wäre, Funktionen der SAP Business Suite nach SAP ERP zurück zu führen. Daran arbeiten DSAG und SAP derzeit gemeinsam. Ein weiteres Problem besteht in unterschiedlichen Benutzeroberflächen bei den einzelnen Komponenten. Auch hier wird  eine Vereinheitlichung dringend gefordert.

SAP soll nutzengerechte Preismodelle realisieren

Die Integration von SAP müsse sich laut DSAG verbessern. (pd)

Dem SAP-Lizenzmodell fehlt die notwendige Transparenz und Flexibilität für Anwender. «Die Anzahl der CPUs kann keine sinnvolle Masseinheit für Lizenzpreise sein”, sagte Liebstückel an seiner Keynote (Youtube-Link). SAP fixiert die jeweilige Konfiguration der Verträge endgültig. So werden die Unternehmen für Jahre festgelegt – unabhängig davon, wie sich Wirtschaft und Märkte entwickeln. «Aktuell lassen sich von SAP definierte Preismetriken zum Teil schwer mit der betriebswirtschaftlichen Realität der Kunden vereinbaren, weil Teilkündigungen und -stilllegungen nicht möglich sind», sagte Zumbach gegenüber Greenbyte.ch.

SAP-Anwender brauchen in einem dynamischen wirtschaftlichen Umfeld mehr denn je nutzengerechte SAP-Preismodelle. Daher setzt sich die DSAG für Lizenzmodelle ein, die sich an die heutigen betriebswirtschaftlichen Unternehmensbedingungen flexibel anpassen lassen. Dafür bedarf es zum Beispiel praxisgerechter AGBs, sinnvoller Metriken und Wartungsmodelle, in denen zum Beispiel gesetzliche Änderungen enthalten sind. Für die DSAG sind dies geeignete Massnahmen, um für Mitgliedsunternehmen den Investitionsschutz, die Planungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit für bestehende SAP-Produkte zu gewährleisten. Hierzu wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit SAP ins Leben gerufen.

Nutzungsgrad von SAP-Lösungen im Fachbereich soll steigen

Für die Fachbereiche spielt derzeit ein praktischer Aspekt eine gewichtige Rolle: Die einfache Benutzerführung. Diese beeinflusst die Akzeptanz einer Lösung ganz entscheidend. Hier gilt es in punkto Qualität, Einfachheit und Attraktivität der Oberflächen neue Reizpunkte zu setzen, um den Fachbereichen eine Entscheidungshilfe pro SAP an die Hand zu geben. Speziell im Bereich von Business-Intelligence-Lösungen (BI) besteht Handlungsbedarf. Die flexible und attraktive Darstellung von Daten entscheidet über zukünftige BI-Systeme. Hieran muss SAP sich im Wettbewerb mit anderen Anbietern messen lassen. Denn: Die Zeit der IT-Zentralen und starren Lösungen ist vorbei. Fachbereiche sollen selbstständiger agieren können. Auch dafür setzt sich die DSAG aktuell ein.

Wunsch nach schlanker Einführung neuer SAP-Lösungen

Ein weiteres Anliegen der DSAG zielt darauf ab, dass SAP konkrete Rahmenbedingungen für die Implementierung, die Einführung und den Betrieb schafft, damit neue SAP-Lösungen bzw. Innovationen von einer breiten Masse von Anwendern schneller umgesetzt und genutzt werden können. Denn nur so können möglichst viele Nutzer vom Mehrwert profitieren. Dazu sind Empfehlungen zur System-Landschaft notwendig, wie sich innovative Produkte am besten einführen lassen – oder geeignete Konzepte oder Angebote, um neue Lösungen in bestehende Gesamtsysteme zu integrieren. Als aktuelle Beispiele nennt der Verband SAP Hana oder mobile Lösungen. Neue Produkte müssen in den Punkten Nutzen, Mehrwert und Betrieb überzeugen. Idealerweise müsse vor der Entwicklung neuer Produkte über die Auswirkungen auf System-Landschaften und die daraus entstehende Komplexität nachgedacht werden.

Keynote-Videos des DSAG-Jahreskongress 2012

(Marco Rohner)

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.