Teures Update verärgert SAP-Kunden

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Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) hat eine lizenzfreie Anpassung von SAP-Produkten an neue Gesetze gefordert. Der CIO-Beirat will zudem eine grundsätzliche Diskussion zu Wartungskosten und Gegenleistungen führen.

 

Gesetzes-Update sorgt für Unmut unter SAP-Anwendern. (M. Schaefer)

Neue Gesetze wirken sich auf IT-Lösungen aus. Beispielsweise müssen neue Mehrwertsteuersätze in Buchhaltungsprogrammen angepasst sein. Gemäss der SAP-Kunden sollen auch Gesetzes-Updates von SAP-Standard-Softwareprogramme keine Extrakosten verursachen. Dies müsse im Rahmen der Standardwartungsverträgen erfolgen. «Für den Investitionsschutz in Standard-Software ist es unabdingbar, dass die gesetzlichen Änderungen ohne Zusatzkosten umgesetzt werden», sagt DSAG-CIO-Beirat Manfred Ofner. «Treue SAP-Bestandskunden haben über die Zeit ein Vielfaches des Kaufpreises für die Softwarepflege überwiesen. Die Softwarepflege und Wartung verteuert sich durch die jährlich angepassten Preise beim Support», sagt Andreas Oczko, Vorstandsmitglied der DSAG. Es sei für ihn unvorstellbar, dass künftig eine Premium-ERP-Lösung neben hochpreisigen «Named-User»-Lizenzen noch eine Aufpreisliste für gesetzliche Kernanforderungen enthalte.

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In Deutschland werde vorallem die E-Bilanz (elektronischer Jahresabschluss) auf allen Ebenen in der DSAG intensiv diskutiert. «Nach allem was wir bisher vernommen haben, besteht eine grosse Bereitschaft, anhand dieses Themas eine grundsätzliche Diskussion zu Wartungskosten und dafür erhaltene Gegenleistungen zu führen», erklärt CIO-Beirat Klaus Gerke. Demnach ist dies auch ein Thema für Schweizer Anwender. Aufgrund der «SAP World Tour» in Baden war Christian Zumbach, Vorstand Ressort Schweiz aber bisher noch nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

SAP-Ansätze geben falsche Signale

Ansätze wie ein erzwungener Releasewechsel, um benötigte Funktionen zu erhalten, können die IT-Budgets ungeplant belasten. Die Lösung für Zoll- und Aussenhandelsabwicklung «SAP Global Trade Services» sei laut DSAG-Medienmitteilung ein gutes Beispiel. Der Walldorfer Ansatz für E-Bilanz als Beispiel hinterlasse bei den Kunden offene Wünsche. Zwar bietet es mit «SAP-Business-Objects-Disclosure-Management», dem «SAP ERP Client for E-Bilanz» oder den Schnittstellen für Fremdsysteme drei Ansätze auf Basis von SAP ERP, um die E-Bilanz abzubilden. «Die Lösungen gehen aber in eine falsche Richtung, wenn Komplexitätsreduzierung, wirtschaftlicher Betrieb und die Vereinfachung der IT-Architektur die Ziele sind. Das sind Argumente, sich gegen SAP-Lösungen zu entscheiden», kommentiert Regina Kaune vom DSAG-CIO-Beirat. Und Johannes Truttmann, ebenfalls Mitglied des Gremiums, erwartet: «Es muss eine integrierte Lösung sein, durch die sich die Komplexität nicht erhöht und die für alle freigegebenen Release-Stände des ERP-Systems gilt».

(Marco Rohner)

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