SAP verteidigt Hana-Kritik

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SAP hat den Kontakt mit den Anwendern und Kunden im letzten Jahr intensiviert. Das Walldorfer Unternehmen und die deutschsprachige SAP-Anwendergruppe DSAG verstehen sich wieder besser. Beide haben nun gemeinsam in Zürich informiert. Auch neue Technologie war ein Thema: Die grossen Retail-Unternehmen Coop und Migros scheinen für die In-Memory-Appliance SAP Hana sehr aufgeschlossen, um ihre Datenberge zu durchforsten. 

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In Zürich haben sich SAP- und DSAG-Vertreter erstmals gemeinsam an einem Tisch präsentiert, um die Schweizer Presse zu informieren. Die Schweizer SAP-Nutzer innerhalb der DSAG sind mit 160 Mitgliedsunternehmen vertreten, aufgeteilt auf insgesamt 1835 Personen. Die Beziehungen der DSAG zu SAP haben sich nach dem jahrelangen Streit um den Enterprise Support wieder entspannt. «Die Kommunikation mit SAP ist besser. Kundenwünsche werden in einer höheren Kadenz umgesetzt», sagte der DSAG-Sprecher Thomas Kirchner. Aufgrund der Kunden-Feedbacks, nicht nur der DSAG, hat SAP die Innovationszyklen abgestimmt, so dass die verschiedenen Produktlinien gemeinsam Updates und neue Funktionen erhalten. «Dies reduziert die Komplexität», so Sieber. Die Wirtschaftlichkeit der SAP-Software sei bei den Mitgliedern besonders im Fokus, sagte Christian Zumbach, DSAG-Vorstand für das Ressort Schweiz. Auch hier besteht Einigkeit: SAP Schweiz rechnet in Franken ab und hat die Preisliste aufgrund des schwachen Euros in den letzten neun Monaten zweimal angepasst. Im Juli 2011 und im Januar dieses Jahres. Laut Sieber werde der Wechselkurs quartalsweise neu angeschaut und angepasst.

«Business by Design» noch kaum verbreitet

Stephan Sieber, Sales Director bei SAP Schweiz, freut sich über Schweizer Kunden von Hana wie Coop, Migros und Panalpina. (pd)

Sieber hat im Namen von SAP Schweiz zu den Umfrage-Ergebnissen der DSAG-Investitionsumfrage Stellung genommen. Die Umfrage wurde von Greenbyte.ch bereits vorgestellt. Sie zeigte für die Schweizer Nutzer eine hohe Investitionsbereitschaft in Cloud Computing, Mobilität und bestehende Software wie SAP ERP. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Schweizer Nutzer zwar derzeit sehr affin zu Cloud Computung sind, aber die rein als Cloud-Plattform konzipierte SAP-Lösung «Business by Design» trotzdem noch kaum verbreitet ist. Unter Cloud Computing in Zusammenhang mit SAP sehen die Nutzer eher die bestehende  Software in der Cloud, beispielsweise in einem ausgelagerten Rechenzentrum.

«Was noch nicht ist, kann noch werden», sagte Stefan Sieber, Sales Director von SAP Schweiz und Mitglied der Geschäftsleitung. «Ich bin überrascht, wie viele Unternehmen konkret die Software für sich in Betracht ziehen», sagte Sieber. Erneut bekräftigte er den vielgehörten Slogan, mit «Business By Design» den Markt von unten aufzurollen. Kleine Unternehmen mit rund 15 Angestellten seien die Hauptzielgruppe. Als Platform as a Service (PAAS) ermöglicht die «Business By Design» nun auch Drittentwicklern, integrierte Software für SAP-Nutzer zu entwickeln. Beispielsweise hat Kaba, der Schweizer Hersteller für Zutrittskontrolle und Zeiterfassung, ein Programm dafür veröffentlicht.

SAP Hana dreht Extrarunde

Mit solchen SSD-Flashspeichern an der schnelle PCI-E-Schnittstelle beschleunigt Hana den Datenaustausch zwischen Arbeitsspeicher und Festplatte. (pd)

Das geringe Investitionsinteresse der befragten Kunden (4 Prozent), in diesem Jahr in SAP Hana (für High Performance Analytic Appliance) zu investieren, erklärt Sieber zur Normalität: «Hana ist für Grossunternehmen sehr wohl interessiert, weil sie Lösungen suchen, um grosse Datenmengen in Echtzeit zu analysieren.» Neu unterstützt Hana auch die KMU-Lösungen SAP Business One und SAP Business All-in-One.

Hana erlaubt dem Unternehmen, enorme Datenmengen in einem Bruchteil der bisher benötigten Zeit zu durchforsten. Dies hilft beispielsweise, um Entscheidungen schneller zu treffen. Möglich wird dies durch die sogenannte In-Memory-Technologie: die relevanten Daten werden im flüchtigen, aber sehr schnellen Arbeitsspeicher gehalten, anstatt auf Festplatten geschrieben und gelesen. Für Datenverarbeitung sind Festplatten heute die grössten Flaschenhälse. In-Memory-Datenbanken eliminieren diese weitgehend. Dadurch muss der Prozessor weniger warten und kann so effizienter arbeiten.

Die Technologie hinter Hana kombiniert Arbeitsspeicher mit schnellen SSD-Flashspeichern über PCI-E- und Sas/Sata-Schnittstellen. Zudem erreicht Hana eine zehnfache Komprimierung der Daten; so verarbeitet die Appliance in 1 Terabyte Arbeitsspeicher bis zu 10 Terabyte grosse Datenbanken. Ein Nachteil ist der enorm hohe Energieverbrauch von Arbeitsspeichern, und je schneller der Arbeitsspeicher, desto mehr höher ist der Stromkonsum. Durch eine schnellere Verarbeitung erschliesst die In-Memory-Technologie aber Echtzeit-Analysen von grossen Datenmengen, wie sie sonst mit Festplatten unmöglich wären. 

Grosse Hana-Nachfrage in der Schweiz bei Retail-Kunden

Auf diesem nackten Server-Blade von Fujitsu sind die insgesamt 16 Arbeitsspeicher-Bänke erkennbar. In deren Speicher-Riegel lädt Hana die Daten, um sie für die Prozessoren (unter dem Kühlkörper rechts) schnell verfügbar zu halten. (pd)

In der Schweiz laufe bei einem grossen Medizinaltechnik-Hersteller eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, um Hana einzusetzen. Im Medizin-Sektor helfe die In-Memory-Technik von Hana beispielsweise bei der hohen Komplexität der Datenstruktur, die sich nach Regulationen je nach Land ändern. So könne während der Produktentwicklung früher reagiert werden. Migros startete als «Ramp up Kunde» mit SAP Hana. Migros ist nicht nur der grösste Arbeitgeber der Schweiz mit 84’000 Angestellten, sondern auch einer der grössten SAP-Retail-Kunden in Europa. SAP-Partner Retailsolutions unterstützt Migros dabei. Zunächst startete ein Pilot bei dem Tochterunternehmen Globus Schweiz.

Von Hana verspricht sich Migros deutliche Performanceverbesserungen im Bereich der Fashionplanung und im Reporting. Laut Sieber ist das nicht der einzige Schweizer Retailkonzern, der sich in diesem Jahr verstärkt mit Hana-Projekten beschäftigt. Er sehe den diesjährigen Umsatzanteil von Hana bei 10 Prozent. Auch der weltweit tätige Schweizer Transport- und Logistikkonzern Panalpina sei bereits mit Hana in Projekten für Echtzeit-Monitoring der Fracht, sagte Sieber gegenüber Greenbyte.ch.

(Marco Rohner)

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.