Dells Abschied von der Börse ist ein gutes Zeichen

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Dell wird im Rahmen eines Milliardendeals von der Börse genommen. Der nötige Umbau kann als privates Unternehmen besser gelingen als wie bisher unter dem Druck der Börsenhändler. Ein Konsortium um Konzernchef Michael Dell übernimmt das Unternehmen. 

Dell - Michael Dell

Gründer Michael Dell nimmt das Unternehmen von der Börse. (pd)

Das texanische Unternehmen Dell soll von der Börse verschwinden – ehemalige Nummer 1 im PC-Geschäft ein heute einer der weltweit grössten IT-Anbieter. Der Gründer, Grossaktionär und Konzernchef Michael Dell hat zusammen mit einem Konsortium eine insgesamt 24,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme ausgehandelt. Das Venture Capital Unternehmen Silver Lake ist Hauptpartner von Michael Dell. Microsoft beteiligt sich mit einem 2 Milliarden Dollar schweren Kredit am Geschäft. Zwar läuft auf den meisten PC und vielen, aber weit weniger Servern Microsofts Betriebssystem Windows. Für Linux-Server ist Dell einer der Hauptpartner von Canonicals Ubuntu. Dell war aber 2007 der erste grosse Computerhersteller mit zertifizierten GNU/Linux-Systemen im Angebot für PC und Notebooks, inklusive Business-Support. Zudem verkauft Dell Ubuntu-PC im Retail in China (850 Läden) und Indien (350 Läden).   

Der Gründer Michael Dell hält etwa 15,7 Prozent der Anteile. Die Aktie verlor innerhalb des vergangenen Jahres mehr als ein Fünftel ihres Werts, obwohl Dell mit grossen Aquisitionen in Software- und Services-Anbieter die Expansion vorantreibt. Pro Aktie sollen die Dell-Aktionäre 13,65 Dollar erhalten; das ist ein Aufschlag von 25 Prozent zum Kurs vom 11. Januar. Nach diesem Datum waren erste Gerüchte über die bevorstehende Übernahme aufgekommen, und die Aktie hatte kräftig zugelegt. Die Aktionäre und die Wettbewerbshüter müssen dem Geschäft noch zustimmen.

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Dell forciert Ausbau mit Topshots und Firmenkäufen

Dell hat allein im vergangenen Jahr geschätzte 5 Milliarden Dollar in Firmen-Übernahmen investiert. Das Ziel ist für Gründer und CEO Michael Dell, ein umfassendes Portfolio als IT-Service-Anbieter aufzubauen. Zudem kamen zwei hochkarätige Führungspersonen zu Dell: Im Februar mit John Swainson, dem ehemaligen CEO von CA Technologies und langjährigen IBM-Direktor, um als Präsident die neue Software-Abteilung aufzubauen; im Juli kam Marius Haas, der aufgestiegene Stern aus glorreichen HP-Jahren unter Mark Hurd. Haas war unter Hurd President Enterprise Solutions, dazu zählt die ganze Rechenzentrum-Hardware mit Servern, Speicher-Systemen und Netzwerk-Ausrüstungen. Hass leitete die Übernahmen von HP mit dem EDS-Kauf. Zudem baute er später die HP-Netzwerk-Abteilung auf, mit Hilfe des Kaufs von 3Com sowie 3Par im Bieter-Wettbewerb mit Dell.

Neue Software-Gruppe leistet Milliarden-Umsatz

Dell World 2012 - Michael Dell - Marius Haas

Von Ex-HP-Starmanager Marius Haas (r.) profitiert Dell im Enterprise-Geschäft. Michael Dell (l.) holte ihn auch für seine HP-Erfahrung aus Übernahmen und Integrationen von EDS, 3Com und 3PAR. (pd)

Seit 2008 hat Dell 13 Milliarden Dollar für Aquisitionen ausgegeben – 5 davon allein im vergangenen Jahr. Zwei Wochen nach Swainsons Arbeitsaufnahme kaufte Dell das Datenretter-Unternehmen App Assure auf, im April die Software-Hersteller Clerity und Make Technologies (beide im Bereich «Services Modernization»), im Mai Sonicwall (Daten- und Netzwerk-Sicherheit) und Wyse (Thin Clients und Desktop-Virtualisierung). Der grosse Coup gelang Dell im September mit dem Gewinn des Bieter-Wettbewerbs um Quest Software. Der Software-Hersteller führt im umfangreichen Angebot beispielsweise Datenbank-Management (mit Toad), Applikationsmonitoring (mit vFoglight) sowie Windows-Infrastruktur-Management. Der Preis von 2,4 Milliarden Dollar ist die zweithöchste Übernahme in Dells Firmengeschichte nach Perot Systems, die im Jahr 2009 für 3,4 Milliarden Dells Angebot für Dienstleistungen massiv aufwerteten. Quest trägt rund zwei Drittel zum Software-Umsatz von Dell bei, der nun gesamthaft rund 1,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Swainson verkündigte im Juli 2012, mit der Dell Software Group bis 2016 einen Jahresumsatz von 5 Milliarden Dollar anzustreben. Bis Ende 2012 folgten noch die Übernahmen von Gale Technologies (Cloud Automation) und Credant Technologies (Datensicherheit).

Betriebsergebnis und PC-Absatz sinken

In dem Anfang November abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal war der Umsatz um 11 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar gefallen. Der Gewinn hatte sich im Jahresvergleich auf 475 Millionen Dollar halbiert. Einzig das Geschäft mit Servern hatte zulegen können. Der weltweite Marktanteil von Dell-PC war im Weihnachtsquartal nach Zahlen der Marktforschungsfirma Gartner auf 10,2 Prozent von 12,2 Prozent im Jahr zuvor gesunken. Der PC-Verkauf war im Jahresvergleich um mehr als ein Fünftel eingebrochen.

Kommentar

Das PC-Geschäft macht immer noch einen Drittel des Jahresumsatzes von Dell aus. Das texanische Unternehmen war zwar bereits früh mit Smartphones und Tablets am Markt, konnte seine Kundenstamm aber nicht genug überzeugen und nicht viel mehr neue Kunden dazugewinnen. Das einst starke PC-Geschäft wird sich angesichts des Markt-Trends zu mehr Smartphones und Tablets weiter für Dell verschlechtern. Der Erfolg von Windows-8-PC, speziell für Geschäftskunden, ist für Dells PC-Geschäft wegweisend, auch ohne Microsoft als Kreditgeber, denn die meisten Unternehmen warten noch ab und haben wenige Gründe, die abgeschlossenen Migrationen von XP zu Windows 7 in nächster Zeit zu hinterfragen. Doch das PC-Geschäft bietet auch Chancen für sogenannte Ultrabooks, den leichtesten, modernsten Notebooks mit ausreichend kräftigen Prozessoren, langer Laufzeit, energiesparender Hardware und SSD-Speicher für flottes Arbeiten. Mit Sicherheit wird in den nächste Jahren durch deren Mobilität, Leistung und seit Sommer 2012 endlich erhältliche Sicherheitsfunktionen eine Notebook-Erneuerungswelle durch die Unternehmen fegen.

Der Trend zu Cloud Computing verkauft auch nicht einen höhere Anzahl PC, sondern mehr Server, Software und Netzwerk-Ausrüstungen, um der wachsenden Anzahl von mobilen Geräten Herr zu werden, die noch keine x86-kompatible Hardware enthalten. Dell gut positioniert im Bereich Rechenzentrum, Netzwerke, Sicherheit, Dienstleistungen, Software, Speicher und Virtualisierung und kann mit Hard- und Software-Paketen die Preise drücken um zudem im grossen Markt für Unternehmen von 200 bis 2000 Angestellten zu wachsen. Der Umbau erfordert nun, sich als Full-Service Provider zu behaupten, und deshalb in Support Services zu investieren. Dies kann als privates Unternehmen besser gelingen als wie bisher unter dem Druck der Börsenhändler, die für solche Zeitspannen, die eine Transformation benötigt, wenig Geduld aufbringen. IT-Entscheider sollten unterdessen Dells Eintritt in neue Märkte ausnützen.

(Marco Rohner)

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