Aufruhr um Glasfasernetz

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Swisscom-CEO Carsten Schloter sistiert die Kooperationsverträge mit den Stadtwerken zum Glasfaser-Ausbau und baut weiter. Er droht mit einem Monopol. Der Dachverband ICT-Switzerland fordert «eine Lösung des unhaltbaren Zustands von Regulationsrisiken». Laut dem Telekom-Verband Asut habe die Weko dem Wirtschaftsstandort Schweiz geschadet.

Swisscom-CEO Carsten Schloter (links) und Verwaltungsratspräsident Anton Scherrer müssen Glasfaser-Kooperationen überdenken. (pd)

Der Bau gehe vorerst weiter, versicherte Schloter per Telefonkonferenz. Es könne aber zu massiven Verzögerungen kommen. «Bis Ende Jahr können wir noch weiterbauen, danach muss mit den Elektrizitätswerken eine Lösung her, die kompatibel mit der Weko ist», so der Swisscom-CEO.

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Die Weko warnte in ihrer Stellungsnahme vom 5. September vor Sanktionen. Die Verträge zu den Glasfaser-Kooperationen zwischen Swisscom und den Stadtwerken in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich enthielten harte Kartellabreden. «Wir müssen komplett neu verhandeln. Dies dürfte nicht einfach werden», sagte Schloter. Man habe zwei Jahre für die bisherigen Verträge verhandelt. Swisscom steht im Wettbewerb mit den Kabelanbietern und könne sich einen Stillstand nicht leisten.

Konkurrenten verlangsamen Ausbau

Der Glasfaser-Ausbau geht weiter. (pd)

Die Weko droht mit Sanktionen, falls der Wettbewerb beeinträchtigt werde, denn Anzeigen von Konkurrenten deuten bereits auf eine solche mögliche Beeinträchtigung hin. Doch wer hat Interesse daran, dass der Ausbau der Datenautobahn verlangsamt wird? «Das sind diejenigen Konkurrenten, die nicht investieren wollen», sagte ICT-Switzerland-Präsident Ruedi Noser gegenüber Greenbyte.ch.

ICT-Switzerland, der Dachverband der Informatik- und Telekombranche, ist äusserst besorgt über den Investitionsstopp beim Bau der Glasfasernetze. «In der heutigen, vernetzten Welt braucht es eine vernünftige Infrastruktur», sagte Noser gegenüber Greenbyte.ch. «Damit die Investitionssicherheit wieder hergestellt ist, brauchen wir von der Weko eine Hand zur Lösung des Problems», so Noser.

Glasfasernetz ist Rückgrat der Wirtschaft

Für ICT-Switzerland sind diese Datenautobahnen der Zukunft sowohl ein Rückgrat für die ICT-Branche als auch ein volkswirtschaftlich wichtiger Faktor, auch wegen der Arbeitsplätze. «Es gibt keine Infrastruktur der Welt, die nicht mit staatlicher Finanzierung oder über Kooperationen gebaut wurde», so Noser. Der gegenwärtige Zustand sei blockiert und den investitionsbereiten Unternehmen seien die angestrebten Kooperationsmodelle ohne Regulierungsrisiken zu ermöglichen. Asut, der schweizerische Verband der Telekommunikation, sieht bereits heute einen Schaden für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Der rasche Bau von Glasfasernetzen bedeute für die Schweiz einen wichtigen Standortvorteil.

Schloter sagte, dass der Alleingang von Swisscom viel länger dauern würde und am Schluss zu einem Monopol führe. Dann komme der Regulator ins Spiel. «Wir stellen uns lieber zusätzlichem Wettbewerb als einer sicheren Regulierung», so Schloter.

(Marco Rohner)

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.