Intel bläst zum Angriff auf ARM

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Intel wildert gegen ARM und bereitet Windows den Weg, um gegen iOS und Android im Mobilgeschäft zu bestehen. Wobei Intel sich bei Android ins gemachte Bett legt und Windows bald auch ARM-Chips unterstützt. Diese Anomalien könnten aber nach der ersten Bewährungsprobe in der Realität genau so gut wieder vergessen sein, denn zu sehen gab an der Consumer Electronics Show 2012 in Las Vegas noch so gut wie nichts davon.

Intel-Chef Paul Otellini will das Mobilgeschäft nicht mehr allein ARM überlassen. (pd)

Intel hat für die zweite Hälfte des Jahres neue Chips mitsamt Geräteherstellern für den Smartphone- und Tablet-Markt angekündigt. Zum Erfolg im erneuten Anlauf soll diesmal die volle Kompatibilität zum Betriebssystem Android führen. Intel und Motorola Mobile haben ich auf eine langjährige Zusammenarbeit geeinigt. «Wir werden eng mit Motorola und Google zusammenarbeiten und wirklich herausfinden, welche Dinge wir tun können, um einzigartig und anders zu sein», sagte der zuständige Intel-Manager Dave Whalen. Beide wollen sich bei Hardware, Software und Services austauschen und weiterbringen, um sparsamere Geräte zu entwerfen. Ein weiterer Fokus sind schnellere Applikationen. 

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Die Chips der neuen Plattform Medfield kommen unter der Bezeichung Atom-Prozessor Z2460 auf den Markt. Sie basieren auf der 32 Nanometer Fertigungstechnik und sind deshalb energiesparender als die Vorgänger-Plattform Moorestown mit 45 Nanometer Strukturbreite. Es ist der erste Smartphone-Chip von Intel.

Lenovo zeigt erstes Intel-Smartphone 

In der zweiten Jahreshälfte sollen die ersten Tablets und Smartphones mit den neuen Intel-Chips erscheinen. Lenovo und Motorola präsentierten in Las Vegas bereits ihre Prototypen. Das Lenovo K800 Smartphone unterstützt HSPA+ mittels der Intel-eigenen XMM-6260-Plattform, die aus der übernommenen Infineon-Mobilfunksparte stammt. Intel zeigte selbst ein Referenzdesign mit 10 Millimeter dicke, das 5 Stunden Internet-Surfen über 3G-Verbindung durchhalten soll – und dies mit nur einem für diese Klasse gewöhnlich grossen 1430 mAh Akku. Die Kamera leistet 15 Bilder pro Sekunde bei 8 Megapixel Auflösung. Sie liefert sogar bis zu 24 Megapixel Auflösung.

Falls die Daten stimmen, hat Intel gute Chancen, den Eintritt in den von ARM dominierten Mobilmarkt zu finden. Ab 2013 sollen die 22 Nanometer kleinen Atom-Chips kommen, die auf der revolutionären 3D-Tri-Gate-Transistoren-Technologie basieren. Kann Intel auch diesen Zeitplan einhalten, wäre der Chipriese auf das Windows-8-Zeitalter vorbereitet. Bisher hatte aber jede dieser ultramobilen Plattformen von Intel Verspätung und ARM treibt seinerseit vorwärts mit energiesparenderer Technologie als diejenige Intels. Microsoft hat die ARM-Unterstützung von Windows 8 schon oft angekündigt, doch nur die Windows 8 exklusiven Metro-Apps werden wohl darauf laufen.

Intel unterstützt diesmal auch Android. Applikationen sollen in einer speziellen Laufzeit-Umgebung, die Intel entwickelt und bereitstellt, automatisch angepasst werden. Der Nutzer soll davon nichts mitbekommen. Ziel sei die volle Kompatibilität der Apps in Googles Android-Markt.

ARM hält Vorsprung 

Einsame Marktführer für mobile Systeme sind aber weiterhin die Chip-Designs von ARM, die von Halbleiter-Firmen wie Marvell, Nvidia, Samsung, Qualcomm und Texas Instruments lizensiert werden. Qualcomm ist mit 7 Milliarden weltweit verkauften Chipsets der grösste Anbieter. Die meisten Smartphones und Tablets, die an der CES 2012 vorgestellt wurden, basieren auf Zwei- und Vier-Kern-Prozessoren, erweitert mit starken Grafikeinheiten, die beispielsweise im Falle von Nvidia mit der Tegra-3-Plattform auch weiterhin Leistungs- und Effizienz-Massstäbe setzen. Tegra-3 enthält einen fünften Prozessor-Kern, der die vier Standardkerne ablösen kann und so bis zu 61 Prozent Strom spart. Asus hat an der CES ein 7 Zoll kleines Tegra-3-Tablet mit Android 4 für 250 Dollar angekündigt. Audi und Tesla bauen die Chips in ihre Autos ein, beispielsweise in überdimensionierten Audi A7 und den elektrobetriebenen Tesla Model S.

Googles neu aufgelegtes TV-System in Fernsehern von LG und Sony, später auch TV-Marktführer Samsung, läuft ebenso mit ARM-Chips (von Marvell), wie auch Mercedes Benz‘ neu angekündigtes Kontroll- und Unterhaltungsystem «Mbrace2». Damit will sich nach Ford ein weiterer Autohersteller einen Vorteil verschaffen, in dem das Auto ans Internet verlinkt wird, der Strom dazu stammt aber immer noch aus einem Verbrennungsmotor. 

(Marco Rohner)

 

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Marco Rohner
Journalistischer Unternehmer der neu erfindet, wie Geschichten in einer allzeit verbundenen Welt erzählt werden. Er ist Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.