Arbeiter für Apple-Produkte fürchten um Leib und Leben

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Eine unabhängige Untersuchung hat ernste und dringende Missstände bei Zulieferfirmen von Apple in China bestätigt. Experten der Fair Labor Association (FLA) berichten über Gesundheits- und Sicherheitsgefahren, das Arbeiter in Foxconn-Werken über zu lange Arbeitszeiten klagten, über Gesundheits- und Sicherheitsgefahren sowie schlechten Informationsfluss.

In den Fabriken des Apple-Zulieferers Foxconn arbeiten Menschen 7 Tage am Stück, weil sie vom Grundlohn nicht leben können. (pd)

Apple hat nach zahlreichen tödlichen Zwischenfällen und aufgedeckten Missständen in den Fabriken der Zulieferer die Untersuchungen bewilligt. Die Fair Labor Association (FLA) unternimmt weltweit unabhängige Inspektionen im Interesse der Arbeiterrechte. Die Experten begannen ihre Inspektionen Mitte Februar bei Foxconn, mitten in der Produktion des neuen iPads. Sie veröffentlichten nun den ersten Bericht von eine ganzen Reihe. Die FTA nimmt die gesamte Zulieferkette von Apple unter die Lupe.

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Inspektoren fanden über 50 Übertretungen

Die erste Untersuchung startete in drei Foxconn-Fabriken in Guanlan, Longhua und Chengdu. Innerhalb eines Monats befragten sie über 35’000 Arbeiterinnen und Arbeiter, beantworteten über 2200 Fragen, führten hunderte von Interviews und schrieben rund 3000 Arbeitsstunden der Foxconn-Mitarbeitenden auf. Die Kontrolleure fanden über 50 Übertretungen des FLA-Obergrenze und der Gesetze Chinas.

Die Fabriken stellen den Arbeitenden auch Schlafplätze, Restaurants und Bibliotheken zur Verfügung. (pd)

Die FLA bestätigte Fortschritte bei der Prävention von Aluminiumstaub-Explosionen. Im vergangenen Jahr wurden bei zwei solcher Detonationen 4 Menschen getötet und 77 verletzt. Mehr als 43 Prozent der Arbeitenden erklärten, dass sie selbst Zwischenfälle erlebt oder beobachtet hätten von Handverletzungen bis hin zu Unfällen mit Fabrikfahrzeugen. Die Mehrheit der befragten Arbeiterinnen und Arbeiter fühlt sich in den Fabriken generell unsicher betreffend ihrer Gesundheit und der Sicherheit.

Bei Foxconn seien bisher nur Zwischenfälle registriert worden, die zu einer Unterbrechung der Produktion führten. Dies will Foxconn sich ab sofort ändern: Jetzt soll jede Verletzung notiert werden. Vieles hat sich seit einem Jahr schon verbessert. Verschwunden sind; versperrte Notausgänge, keine oder fehlerhafte Schutzkleidung sowie fehlende Arbeitserlaubnisse.

Arbeitszeiten wurden massiv überschritten

Die Bewertung zeigt wie nahe die einzelnen Fabrik-Bereiche die Anforderungen der FTA und Chinas Gesetze erfüllen. (pd)

In allen Fabriken sei die FLA-Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche überschritten worden, ebenso wie die in China maximal erlaubte 40-stündige Arbeitswoche plus bis zu 36 Überstunden im Monat. Die Angestellten arbeiteten teilweise während 7 Tagen am Stück, ohne ihren garantierten freien Tag pro Woche zu bekommen.

Foxconn will die Arbeitszeiten bis Juli 2013 dem Gesetz anpassen. Dazu werden zehntausende Mitarbeiter neu eingestellt. „Apple und Foxconn haben sich mit unseren Empfehlungen einverstanden erklärt. Wir werden die Fortschritte prüfen und öffentlich berichten“, sagte FLA-Chef Auret van Heerden. Die zugesagten Veränderungen würden das Leben der 1,2 Millionen Foxconn-Beschäftigten erheblich verbessern und einen neuen Standard für chinesische Fabriken setzen.

Gehalt reicht nicht für Grundbedürfnisse

Die Mehrheit der Arbeiterinnen und Arbeiter von Apple-Produkten fürchtet sich um die eigene Gesundheit und Sicherheit bei Foxconn. (pd)

Fast zwei Drittel der Foxconn-Arbeiter könnten mit dem Gehalt nicht ihre Grundbedürfnisse finanzieren. Auserdem sei die Vergütung von ungeplanten Überstunden teilweise unfair geregelt, weil nur abgeschlossene 30-Minuten-Blöcke vergütet würden, erklärte die Organisation.

Foxconn ist der weltgrößte Elektronikhersteller. Der taiwanische Konzern baut in China für viele große Computer- und Handyproduzenten wie Apple, Sony und Nokia Geräte zusammen. Auch Anbieter wie Amazon, Dell, Nintendo, Hewlett-Packard, Samsung, IBM, Lenovo, Motorola und Toshiba zu den Foxconn-Kunden. Für Apple werden in den Fabriken iPhones, iPads und andere Produkte gefertigt.

(Marco Rohner)

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