Oracle Sparc überholt Rechner von IBM und Intel

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Oracle hat die neuen Sparc-Mikroprozessoren T5 und M5 veröffentlicht. Die neuen T5-Server sollen damit bis 10 mal schneller sein und stellen auch Intel und IBM in den Schatten. Oracle-Gründer Larry Ellison will IBM im Mainframe-Markt bedrängen und hat mit dem Technologiesprung des M5 gute Chancen.

Ellison Sparc T5 Launch

Oracle-Gründe Larry Ellison will mit Sparc Marktanteile von IBM zurückgewinnen. (pd)

 

«Diese Maschinen liefern eine bessere Integer-Leistung als die IBM-Power-Serie. Dies ist aussergewöhnlich, weil IBM diese Führungsposition über eine sehr lange Zeit inne hatte», sagte Oracle-Gründer Larry Ellision bei der Präsentation in San Francisco. «Als wir Sun Microsystems übernahmen, dachten viele Leute, dass der Sparc-Prozessor ein Nachzügler sei, aber wir haben nicht nur die Konkurrenz aufgeholt. Wir haben x86 und IBM Power überholt.»

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Die neuen Server mit den T5- und M5-Mikroprozessoren brechen laut Oracle 17 Weltrekorde. Sie seinen die weltweit schnellsten Einzel-Server für Datenbanken, Java-und Multi-Tier-Anwendungen. Die Sparc-Architektur (Scalable Processor Architecture) wird hauptsächlich in Produkten von Oracle verwendet, daneben gibt es noch andere Hersteller, wie zum Beispiel Fujitsu, die im Januar ihre neuen Prozessoren veröffentlichten. Die Sparc-Derivate «Athena» von Fujitsu hat Oracle ebenfalls vertrieben, nachdem der T5 sich nicht früher ausliefern liess. Der T5 ist für Einsteiger- und Mittelklasse-Server im Angebot, der M5 zielt auf Grossrechner-Anwender, die derzeit vor allem IBM Mainframes einsetzen.

Ellison adressiert Kunden von IBM

Oracle Sparc M5-32 Server

Oracle drängt mit dem M5-Server mit 32 TB RAM in die Mainframe-Klasse. (pd)

Im Kampf um Marktanteile verlor Oracle gegenüber IBM in den letzten Jahren. Im vergangenen IBM-Quartalsbericht stieg der Server-Umsatz um 335 Millionen Dollar, und sogar um 1 Milliarde Dollar im ganzen Jahr – dieser kam zur Hälfte von Oracle und HP. Oracle hat aber noch ein weiteres Problem: Auch die Sparc-Architektur verliert kontinuierlich Marktanteil an die x86-Architektur, genauso wie IBM Mainframes, weil das Verhältnis von Preis zu Leistung kippt. Intel und AMD hatten in den letzten Jahren grosse technologische Fortschritte erreicht. Die Oracle-Ingenieure legten nun aber kräftig nach, um die Stärken des Prozessordesigns mit den meisten Threads (1024 gegenüber 32 eines Intel Xeon E5) am Markt hervorzuheben.

«Wir haben Intel x86 und IBM Power überholt.» Larry Ellison

Wie die Benchmarks zeigen, hat Oracle die Systeme von IBM und Intel im Bereich Datendurchlauf pro Prozessor und Mehrwert geschlagen. IBM sagte gegenüber «Business Insider», dass Oracles seine neuen Maschinen mit alten IBM-Systemen verglich und manchmal sogar die Prozessorkerne bei den eigenen Systemen verdopple. Auch die verglichenen Preise stünden in keinem Verhältnis: Ellison vergleich ein Oracle-Einzelserver des Typs Sparc T5-8 für 270’000 Dollar mit einem Server-Cluster von IBM des Typs P780 für 1’900’000 Dollar. Laut IBM-Server-Marketing-Manager Steve Sibley unterscheiden sich die Hardware-Preise nicht von vergleichbar konfigurierten Systemen, sehr wohl aber die Software-Lizenzen, die bei IBM billiger seien, weil sie nicht pro Server zu bezahlen seien. Die Benchmarks von TPC.org sind frei zugänglich. Die Resultate sind im TPC-C-Benchmark zu finden.

Server skalieren linear bis 32 Sockets

Mit den SPARC-T5- und M5-Servern erneuert Oracle seine Midrange- und High-End-SPARC-Server-Linien komplett, die Oracle Solaris als Betriebsystem nutzen. Die Server mit dem Vorgängerchip T4 sollen neu die Einstiegsstufe für Oracle-Kunden senken. Die neue Serverfamilie ermöglicht nahezu lineare Skalierbarkeit von 1 bis 32 Sockets. Der T5 skaliert bis 8 Sockets, der M5 bis 32.

Die Sparc-Prozessoren T4, T5 und M5 basieren alle auf dem gleichen Design des S3-Kerns. Deshalb sind sie alle binärkompatibel. Existierende Systeme können deshalb einfach aufgerüstet werden. Oracle gewährleistet Binär- und Quellcode-Kompatibilität für höchste Anwendungsverfügbarkeit und Abwärtskompatibilität. Die Unterschiede der jüngsten Prozessor-Generationen sind nur die Taktrate, die Anzahl der Kerne und die Grösse des L3-Cache (gemeinsamer Pufferspeicher aller Kerne).

Oracle_Sparc_T5-Die

Der Oracle Sparc T5 im Detail. (pd)

Die Leistung des S3-Kerns ist sehr ausgeglichen zwischen Single-Thread- und Multi-Thread-Rechenlast. Deshalb dient die SPARC-Serverfamilie den unterschiedlichsten Anforderungen verschiedener Applikationen. Das gemeinsame Set an System-Management-und Virtualisierungs-Werkzeugen, die nicht nur von Oracle kommen, macht sie zudem zur Plattform für den Aufbau von Cloud Computing.

Strom-Effizenz steigt

Obwohl Oracle in der offiziellen Mitteilung keine Angaben zum Energieverbrauch macht, ist eine massive Verbesserung der Effizienz erkennbar. Unsere eigene Einschätzung wurde zwei Wochen nach Ankündigung (und Veröffentlichung dieses Artikels) von Oracle bestätigt. Die neuen T5- und M5-Sparcs sind bei Hersteller TMSC im 28-Nanometer-Verfahren gefertigt. Sie rechnen theoretisch rund 30 Prozent effizienter als beim 40-Nanometer grossen Vorgänger T4. Durch die niedrigere Hitzeentwicklung konnten die Oracle-Ingenieure die maximale Taktrate von 3 Gigaherz (GHz) des T4 auf 3,6 GHz des T5 erhöhen. Der verkleinerte Fertigungsprozess ergab mehr Platz für den L3-Cache, der sich von 4 auf 8 Megabyte verdoppelte.

«Als wir Sun Microsystems übernahmen, dachten viele Leute, dass der Sparc-Prozessor ein Nachzügler sei» Larry Ellision

Prozessor Skalierung des Oracle Sparc T5

Die Leistung des Oracle Sparc T5 skaliert linear. (pd)

Einen grossen Schritt macht Oracle in der Vernetzung der Prozessoren untereinander über Schnittstellen. Anstatt zwei PCI-Express 2.0 x8 und zwei 10GE-Schnittstellen des T4 ist der T5 mit zwei PCI-Express 3.0 x8 für die Peripherie-Controller aufgerüstet – die beiden Netzwerk-Controller sind nun ausgelagert. Den freien Platz nutzten die Ingenieure, um NUMA-Clustering bis zu acht Sockets zu ermöglichen. Auf diese Weise können bis zu acht Prozessoren auf einem Motherboard und mit einem gemeinsamen Speicher (in Form des geteilten L3-Cache) zusammen arbeiten. Die Leistung skaliert linear. Der 8×9 Crossbar-Switch integriert NUMA als Bisektionsbandbreite (engl. bisection bandwidth) von 1 Terabyte pro Sekunde (TB/s).

Benchmarks im Detail

Der TPC-C-Leistungstest (Benchmark) wurde auf einem Server des Typs SPARC T5-8 durchgeführt, mit acht neuen 3,6 GHz schnellen SPARC T5-Prozessoren. Oracle demonstrierte dies mit der eigenen Datenbank 11g Release 2 Enterprise Edition mit eigener Partitionierung. Der TPC-C-Benchmark misst die Echtzeit-Transaktionsverarbeitung, auch OLTP genannt (Online Transaction Processing).

 

SPARC T5-8

IBM Power 780 (3-node cluster)

IBM Power 595

IBM x3850 X5

IBM Flex x240

Prozessor Modell (CPU/Cores/Threads)

3.6 GHz
SPARC T5
(8/128/1024)

3.86 GHz
Power 7
(24/192/768)

5.0 GHz
Power 6
(32/64/128)

2.40 GHz Intel
Xeon E7-8870
(4/40/80)

2.90 GHz Intel
Xeon E5-2690
(2/16/32)

Transaktionsrate (tpmC)

8,552,523

10,366,254

6,085,166

3,014,684

1,503,544

Preis / tpmC

0.55 Dollar

1.38 Dollar

2.81 Dollar

0.59 Dollar

0.53 Dollar

tpmC / CPU

1,069,065.4

431,927.3

190,161.4

753,671

751,772

Arbeitsspeicher

4 TB

6 TB

4 TB

3 TB

768 TB

Datenbank

Oracle
Database 11
g
Release 2

IBM DB2 9.7

IBM DB2 9.5

IBM DB2 9.7

IBM DB2 9.7

Veröffentlichung

25.9.2013

13.10.2010

10.12.2008

22.9.2011

16.6.2012

Gegenüber einem IBM-System mit zwei Intel-Xeon-E5-Prozessor erledigte der neue Sparc seinen Job zum gleichen Preis, aber 7 Mal schneller. Dies mit nur 4 Terabyte Arbeitsspeicher gegenüber 768 Terabyte des Intel-Systems. Die 128 Kerne der 8 Sparc-T5-CPU leisten 1024 Threads gegenüber den beiden Intel-E5-CPU mit 16 Kernen und 32 Threads. Der Sparc erledigt seine Arbeit also um ein vielfaches stromsparender. Die Systemleistung liegt mit dem Oracle-Stromrechner geschätzt bei 4000 Watt. Das IBM-Flex-System erfordert 2500 Watt.

(Marco Rohner)

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