Oracle zelebriert Fusion

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Adrian Schlund, Chef der Schweizer Oracle-Niederlassung, hat nach einem Jahr im Amt grosse Änderungen durchgesetzt. Die neue Exa-Linie ist mit 15 Prozent Schweizer Umsatzanteil bereits in Fahrt. Seit Oktober ist der Hauptsitz in Baden-Dättwil umgebaut und bezogen.

Oracle-Gründer Larry Ellison will die komplette Informatik-Ausstattung liefern. (Hartmann Studios)

Anlässlich der Jahresmedienkonferenz von Oracle hat Adrian Schlund die beste Nachricht gleich vorweg genommen: «Oracle Schweiz ist auf der Suche nach neuen Mitarbeitern.» Im Geschäftsgebiet Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) besetzt der amerikanische IT-Konzern 1’700 Stellen neu. Es geht vor allem um den Ausbau von Fachkompetenz in vertikalen Märkten wie Einzelhandel, Gesundheit und Finanz-Dienstleistungen. Auch in Baden-Dättwil wird in diese Bereiche investiert. Platz gibt es genug. Im frisch umgebauten Hauptsitz hat der Schweizer Chef flexible Arbeitsplätze umgesetzt. Das Konzept besteht aus drei Zonen für Büroarbeit, Sitzungen und Kommunikation. Gemäss Schlund sei das einst vollbesetzte Gebäude nun zu einem Drittel der Kapazität frei.

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Adrian Schlund ist nach dem ersten Jahr bei Oracle auf Expansionskurs. (pd)

Oracle bietet mittelgrossen bis sehr grossen Unternehmen eine durchgehende Komplettlösung ihrer Informatik an. Hardware, Software und Services, alles von Oracle. Schlund sieht darin die bessere Alternative zu verschiedenen Komponenten, die einzeln angepasst und stehts optimal und frisch konfiguriert werden müssen. «Heute fliessen nur noch ein Drittel der Ausgaben in Innovationen, und es wird immer schlimmer», so Schlund. Unternehmen sollen sich der wachsenden Komplexität der IT entledigen, damit wieder mehr Ressourcen für Innovationen übrig bleibe. Er will mit grosser Leistung und dem Total Cost of Ownership punkten können.

15 Prozent Umsatz mit Exadata

Exadata (seit 2008) und Exalogic (seit 2010) tragen in der Schweiz bereits 15 Prozent zum Umsatz bei, wie Schlund gegenüber Greenbyte.ch sagte. Weltweit wurden bereits über 1’000 Stück dieser grossen «Datenbank-Appliances» abgesetzt. Deren extreme Effizienz ist herausragend. Es soll laut Schlund aussergewöhnliche Kunden-Beispiele gegeben haben, bei denen 40 alte Server durch drei Exadata-Maschinen ersetzt worden seien. Tatsächlich verfügen die spezifisch gebauten Computer über Extrachips für die Arbeitsspeicher, um Befehlssätze direkt auszuführen, ohne die Festplatten zu gebrauchen.

Die Exalytics genannte Appliance liefert blitzschnelle Datenanalysen mittels In-Memory-Technologie. (Hartmann Studios)

Die so genannte In-Memory-Technik in den Exalytics-Appliances geht noch einen Schritt weiter. Sie ist einer der grossen Trends. Das Marktforschungsunternehmen Gartner positionierte In-Memory in den Top 10 der strategischen Technologien für 2012, die in den nächsten drei Jahren die Einkäufe von Grossunternehmen mitbestimmen werden. Da diese Logik in der Hardware verbaut ist, können deshalb auch andere Betriebssysteme, neben Oracle Solaris, von massiv höherer Effizienz bei Daten-Abfragen profitieren.

Cloud-Plattform wächst rasant

Klick zum Vergrössern: Oracle reprogrammiert in Java bestehende und neue Software. (Hartmann Studios)

Oracle hat nun angekündigt, den Salesforce-Konkurrenten Rightnow für knapp 1,6 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Deren Wert für Oracle liegt in der Implementierung in das eigene Cloud-Angebot und die Reprogrammierung mit Fusion Middleware. Frühere Einkäufe wie Peoplesoft und Siebel sind teilweise bereits umgeschrieben. Fusion Middleware ist die Cloud-Basis für Anwendungen und erlaubt freie Wahl zwischen Public- und Privat-Cloud ohne Neuprogrammierung.

Der zweite Vorteil der Oracle-Cloud mit Fusion Middleware ist die flexible Kombination verschiedener Anwendungen. Unternehmen können beispielsweise Teile des Kunden-Managements aus «Fusion CRM» in die bestehende Siebel-Infrastruktur integrieren; ebenso mit dem Personal-Management aus «Fusion HR», das in einer Peoplesoft-Infrastruktur neue Möglichkeiten bietet. Java-Programme laufen direkt als Fusion-Apps. Sie können zudem mit Fusion-Programmbibliotheken verknüpft und somit für die Oracle-Systeme optimiert werden.

Sun-Übernahme fruchtet in weiteren neuen Appliances

Mit Exalogic und Exadata erwirbt man auch gleich die Software-Lizenzen von Oracle. (Hartmann Studios)

Aus der Übernahme von Sun Microsystems entsteht stufenweise ein vielseitiges Angebot von kombinierten Stärken. Stellvertretend ist die Exa-Linie. Dies sind komplette Hard- und Software-Systeme für spezifische Anwendungen mit dem Know-how von Sun und angepasster Oracle-Software. Namentlich sind dies Exadata (Datenbanken), Exalogic (Enterprise-Anwendungen) und neu Exalytics (Daten-Analyse, siehe Bild).

Neu dazu kommt die Big Data Appliance, um grosse Datensätze zu analysieren. Neben der umbenannten BerkleyDB, die jetzt Oracle NoSQL heisst, wird auch das Apache-Projekt Hadoop integriert, um basierend auf offenen Standards grosse Datensätze in Echtzeit zu analysieren. Wobei sie auch die eigenen Technologien zum Standard zählen. Offene Standards sind überraschend, da Oracle eher bekannt dafür ist, Kunden an die eigene Welt zu binden – mit allen Vor- und Nachteilen unternehmerischer Freiheiten.

Oracle gibt sich offener

In einem Interview mit «Informationweek» hatte Oracle-Co-Präsident Mark Hurd die neue Offenheit nochmals bekräftigt, dass Oracle-Lösungen auch in heterogenen Umgebungen gut einsetzbar seien. «Wir haben aus den Fehlern gelernt», sagte Schlund. Heute sei Oracle nicht mehr so geschlossen wie früher. Als Beispiel nennt er wiederum die Exadata-Computer. Sie sollen auch mit selbst aufgespielter Software ihre Stärken ausspielen können. Der Schweizer Value-Added-Reseller (VAR) Tradeware liefert dazu ein Beispiel. Das Thalwiler Unternehmen erhielt an der diesjährigen Oracle-Hausmesse Open World in San Francisco den Preis als Exadata-Partner des Jahres in der Region EMEA. Tradeware verdiente sich diese Ehre mit der weltweit ersten Exadata-Integration von SAP-Software. Die Schweizer Avaloq erhielt die Auszeichnung als Datenbank-Partner des Jahres (EMEA).

Die Oracle-Software ist bei den Appliances schon bezahlt, ob man sie nutzt oder nicht. Für beste Leistung muss es aber stehts Oracle sein – trotz aller Versprechungen zur Interoperabilität: Der neue Grosscomputer «Sparc Supercluster» und das Server-Betriebssystem «Solaris 11» sind so aufeinander abgestimmt wie Geschwister, die zusammen ihre Bestleistung abrufen.

(Marco Rohner)

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.