VMware automatisiert Cloud Computing

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VMware hat die neue Version 5 des Betriebssystems vSphere angekündigt. Es soll die Leistung von Anwendungen steigern, die Verfügbarkeit virtualisierter Programme erhöhen und die automatisierte Verwaltung verbessern.  Dazu wurde ein ergänzendes Paket von Cloud-Computing-Software vorgestellt sowie ein erweiterndes vSphere-Storage-Angebot für KMU lanciert. Am VMware Forum in München, an dem auch Schweizer Kunden teilnahmen, wurden die Neuigkeiten von VMware gemeinsam mit Partnern wie HP, IBM, Dell, Cisco und Fujitsu erklärt.

VMware-CEO und -Präsident Paul Maritz will Cloud Computing weiter standardisieren. (mro)

Gut 600 Interessierte besuchten das VMware Forum 2011 in München. Es war perfekt gezeitet. Selbstbewusst hat VMware-CEO und Präsident Paul Maritz am Abend zuvor den grössten Produktstart der VMware-Geschichte angekündigt. Im Hotel Bayrischer Hof fiel eine berüchtigte Wortkombination erstaunlich oft: «De Facto Standard.» Es ist der Erfolg von VMware, dass Virtualisierung der etablierte Standard für Infrastruktur ist. Unter Virtualisierung versteht man von Hardware losgelöste Computersysteme. Sie können flexible oder fest zugewiesene Hardware-Ressourcen beanspruchen, die sie zur Erledigung ihres Auftrags brauchen. Dies führt zu einer grösseren Auslastung von Computern und bis zu 80 Prozent weniger Stromverbrauch. Maritz ist in Südafrika geboren und aufgewachsen: Es passt zu seiner Biographie und zum Firmenimage, dass Maritz gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Grameen Foundation ist.

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«Heute werden rund 40 bis 50 Prozent aller geschäftlichen Anwendungen auf virtuellen Systemen betrieben», so Martin Niemer, Director SMB Solution Marketing von VMware EMEA. Der erhöhte Virtualisierungsgrad der letzten Jahre schuf eine breite Basis für die nächste Evolutionsstufe, sogenanntes Cloud-Computing, das die gesamten Rechenaufgaben vielseitig virtualisiert und damit vom bedienenden Eingabegerät entfernt. Dies umfasst grosse oder kleine Systeme, Daten und Programme oder reine Rechenleistung, die je nach Bedarf per Internet zugeführt oder verteilt werden. Cloud-Computing spart massiv Hardware- und Energiekosten für Strom und Kühlung. Dies reduziert die Umweltbelastung, ermöglicht aber auch ganz neue Geschäftsmodelle. VMware hat es sich seit der Gründung 2003 zur Aufgabe gemacht, den Betrieb der Infrastruktur effizienter, preiswerter und automatisierter zu gestalten. Das amerikanische Unternehmen ist deshalb mit konstanten Innovationen für Unternehmen mit vielen Servern oder Rechenzentren zum Vorreiter geworden.

Aufholbedarf bei SAP-Umgebungen

Martin Niemer, Director SMB Solution Marketing von VMware EMEA, will KMUs vermehrt zu Cloud-Computing bringen. (pd)

«Mit dem De-Facto-Standard für Virtualisierung bieten wir die ideale Plattform für Cloud-Computing an», sagte Niemer. Gegenüber aufstrebenden Konkurrenzprodukten grenzt sich das unbestritten klar marktführende Unternehmen mit rund drei Viertel Marktanteil wie gewohnt gerne mit markigen Aussagen ab. Konkurrenten sind aus dem Linux-Bereich Novell Enterprise Server, Citrix’ Xen und Red Hat’s KVM, dazu proprietäre Lösungen von Microsoft, Oracle und Parallels. Angesichts der vielen Neuerungen (200 Funktionen), eines neuen Preismodells und einer neuen Cloud Software Suite, ist das zur Schau gestellte Selbstvertrauen VMwares nicht nur Gerede. Aber der Erfolg hat seine Grenzen: Während 67 Prozent aller Microsoft-Sharepoint-Installationen in Deutschland mit VMwares Software virtualisiert sind, laufen die SAP-Anwendungen erst zu 28 Prozent in virtuellen Umgebungen des selbsternannten Marktführers. Der grössere Teil der SAP-Software läuft auf virtuellen Systemen anderer Hersteller, wie Aussteller in München (sie wollten anonym bleiben) gegenüber Greenbyte.ch bestätigten. Darunter seien Mainframe-Systeme mit eigener Virtualisierungssoftware. Grundsätzlich seien SAP-Kunden bereits sehr virtuell aufgestellt. «Bei unseren Kunden laufen 100 Prozent der SAP-Anwendungen auf virtuellen Systemen von VMware», so Oliver C. Repper, der Teamleader SAP des deutschen Systemhauses Cancom.

Aufbauend auf der Virtualisierungs- und Cloud-Computing-Plattform VMware vSphere 5 sind zahlreiche Programme dazugekommen, die beispielsweise das Management, die Sicherheit und die Automation von IT-Infrastruktur erhöhen. VMware kündigte ebenfalls VMware vShield 5, VMware vCenter Site Recovery Manager 5 und VMware vCloud Director 1.5 an. In Verbindung mit vSphere 5 ermöglichen diese Produkte einen skalierbaren Cloud-Betrieb und erhöhen den Wert, den Kunden aus virtualisierten Ressourcen ziehen.

vShield spürt ungeschützte sensible Daten auf und schützt sie automatisch

Das Prinzip Sonnensystem von VMware, hier noch in der Version 4. Der Aufbau des Cloud-Betriebssystems visualisiert. (pd)

VMware verbesserte die Hochverfügbarkeit von vSphere. Der Site Recovery Manager, eine automatisierte Fail-over-Lösung für Rechenzentren, kann in der neuen Version 5 nun bis zu 75 virtuelle Maschinen automatisch wieder herstellen. Der bereits für virtuelle Maschinen gewohnte Dynamic Ressource Scheduler (DRS) ist nun auch für Speicher möglich. Dieser platziert den Speicher automatisch nach Ressourcenverbrauch am optimalen Ort. Wem die Standard-Einstellung nicht genügt, der kann Leistungstests nach einer prozentualen Auslastung selbst konfigurieren und deren Zeitpunkt festlegen. Neu wird der Speicherplatz einer neuen VM automatisch über ein vorgefertigtes Profil erstellt.

Ein grosses Problem des Cloud-Computing ist die Angst vor Datenverlust und Diebstahl. Die Datensicherheit in Unternehmen hat sich massiv erschwert mit neuen Geräten wie iPad, iPhone und um so mehr mit den vielen verschiedenen Smartphones und Tablet-Computern. Dieses Problem hat VMware bereits im vergangenen Jahr öffentlich an der weltweiten Hausmesse VMworld in Los Angeles und Kopenhagen in verschiedenen Sessions breit diskutiert und eigene Lösungen versprochen. In der Funktionsgruppe Data Security ermöglicht vShield 5 nun, ungeschützte sensible Daten zu identifizieren, Umgebungen unterschiedlicher Sicherheitsstufen voneinander zu isolieren und mit Sicherheitsrichtlinien zu verschieben, wenn sich Daten und Anwendungen zwischen virtuellen Systemen bewegen oder in die Public Cloud wandern.

Neues Lizenzmodell orientiert sich am realen Nutzen

Lizenzen erlauben nun auch Ressourcen nach Bedarf zu kombinieren und über mehrere Hardware zu verteilen. (pd)

Mit immer neuen Innovationen der EMC-Tochterfirma entsteht der Eindruck, dass VMware den Kunden die Wünsche von den Lippen abliest. Die Idylle vor Ort in München wurde nicht getrübt durch böse Stimmen, der Vorwurf: Lizenzen werden teurer; man brauchte nun mehr Lizenzen für die gleiche Menge an Hardware als vorher. Doch das Modell macht mehr Sinn, als rein zum weiteren schnellen Wachstum und erhöhten Gewinn des Unternehmens beizutragen. 2010 wuchs der Umsatz von VMware um 31 Prozent.

VMware vSphere 5 wird weiterhin pro Prozessor lizenziert, ergänzt durch ein einziges, virtualisierungsbasiertes Nutzungsrecht von Pooled Virtual Memory oder Pooled vRAM anstelle des Nutzungsrechts nach Prozessor-Kern. Pooled vRAM ist die Gesamtmenge des Hauptspeichers, der allen virtuellen Maschinen in der Umgebung des Kunden zur Verfügung steht. Jede vSphere 5 CPU Lizenz erlaubt es dem Käufer, eine bestimmte Menge vRAM zu nutzen und frei in der gesamten Umgebung zu verteilen. Theoretisch kann nun ein 12-Kern-Prozessor mit einer einzigen Enterprise-Lizenz betrieben werden, sofern die virtuellen Maschinen mit insgesamt 32 GB RAM auskommen. Die Enterprise Plus Lizenz eröffnet den grössten Pool von 48 GB RAM. Mussten die Lizenzen in Version 4 noch pro CPU und CPU-Kern gerechnet werden, wird nun die Kombination CPU-Kern und vRAM die bestimmende Grösse für die Budgetierung. Zudem sind die Preise pro Prozessor tiefer: Eine Enterprise-Lizenz kostet anstatt 5’750 Dollar nur noch 2’875 Dollar, die Enterprise-Plus-Lizenz 3’500 Dollar.

Das neue Modell ist agiler und flexibler bei Hardware-Upgrades und ermöglicht über mehrere Server verteilte Installationen, unter anderem weil ein CPU mit mehr Kernen nicht automatisch eine neue Lizenz erfordert. Dies vor dem Hintergrund, dass heute bereits 12-Kern-Prozessoren von Intel und 16-Kern-Prozessoren von AMD erhältlich sind. 2012 folgen sogar 20-Kern-Prozessoren. VMwares neues Lizenzmodell trägt die Multicore-Entwicklung mit und erlaubt mehr Rechenleitung pro Gigabyte Arbeitsspeicher. Zudem sind die Lizenzen in kleineren Paketen erhältlich. Dies senkt die Einstiegshürde für kleine Unternehmen und erlaubt für grössere Kunden eine feinere Abstufung; dadurch entsteht für alle Nutzer eine höhere Flexibilität zum Aufrüsten und Verteilen der VMware-Lizenzen auf der effektiv genutzten Hardware.

(Marco Rohner, München)

 

UPDATE (03.08.2011)

VMware hat die vRAM-Kapazitäten der Lizenzen leicht angepasst…

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Herausgeber von Greenbyte.ch, dem weltweit exklusiven Online-Magazin über den nachhaltigen Nutzen von Informationstechnologie, gegründet im Jahr 2011 und 500'000 Leser in den ersten drei Jahren erreicht.