Nexenta forciert Umbruch im Speichermarkt

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Die amerikanische Startup Nexenta bietet Speichersysteme auf Standard-Hardware mit Open-Source-Software. Das wesentlich tiefere Preisniveau im Vergleich zu etablierten Speicherprodukten bringt die ganze Branche ins Zittern. Auch in unserem Lande sind die Systeme von Nexenta schon im Triemlispital oder der Stadtpolizei Zürich im Einsatz.

IT Storage

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«Die Speichersysteme in vielen Unternehmen basieren noch immer auf fünfzehnjährig alter Technologie und Verkäufer-orientierten Silos. Das muss sich ändern», so Simon Robinson von 451 Research am «Nexenta OpenSDx Summit», der Mitte April in Amsterdam stattgefunden hat. «Innovative, durchschlagende Technologien, neue Geschäftsmodelle setzen sich durch, dennoch bieten manche Service-Provider noch veraltete Technologien an.» Amazon sei auf diesem Gebiet ein Musterbeispiel: die Firma habe einen neuen Weg demonstriert, Services anzubieten und habe dadurch, laut Robinson, das Cloud-Geschäft revolutioniert.

Die vollständig Software-definierte Architektur ermöglicht sowohl eine flexiblere Ausnutzung der Hardware wie auch effizientere Zugriffe.

Für den Marktforscher liege die Zukunft bei vollständig Software-definierten Systemen mit Virtualisierung der Rechnern, Speichern und Netzwerken. «Virtualisierung hat die Spielregeln total verändert. Aber auch die ökonomische Lage hat sich drastisch geändert: bodenlose Budgets gehören zur Vergangenheit. Auf dem Speichergebiet sinken die Preise der Platten ständig, die Betriebskosten jedoch steigen weiter», so Robinson. SAN, NAS, Speicher- und Archivierungssysteme würden von den Verkäufern als separate Boxen verkauft. «Sie behaupten zwar alle, ihre Produkte seien Software-definiert, in Wirklichkeit ist der Kunde jedoch an teure Systeme gebunden, die wenig Flexibilität aufweisen.»

Software-definiert und offen

Vor Robinson hatte Nexenta-CEO Tarkan Maner die SDx-Tagung eröffnet. SDx steht für «Software-defined everything». Maner hat klare Vorstellungen: «Unser Ziel ist, schlanke, effiziente und preisgünstige Speichersysteme anzubieten, die die Virtualisierung der Arbeitsplätze, Speicher und Netzwerke erleichtern. Wir setzen auf Software-definierte Infrastrukturen und auf Open-Source-Software, was aber nicht bedeutet, dass wir ein Hilfswerk sind!» Die 2005 gegründete, im Silicon Valley ansässige Start-Up Nexenta ist 2013 laut Maner zu einem richtigen Unternehmen gewachsen, mit 100 Prozent Umsatzsteigerung in einem Jahr. Zahlen werden zwar nicht publiziert, jedoch sei das Ziel, 2014 rund 30 Millionen Dollar umzusetzen. Die Anzahl Mitarbeiter beträgt zurzeit 200 Personen, davon sind 25 in Europa tätig. Die Gesellschaft gehört zur Hälfte den Angestellten.

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Nexenta-CEO Tarkan Maner will effiziente Speichersysteme für die Virtualisierung etablieren. (pd)

Übergreifende Software

Die von Nexenta vertriebenen Speichersysteme Nexentastor basieren auf Standard-Festplatten und dem gleichnamigen Betriebsystem basierend auf Open-Source-Software (Open-Solaris-Kernel mit Ubuntu-Software). Hardware-Partner ist Dell.  Funktionen, wie RAID zum Beispiel, die normalerweise in den Boxen ausgelagert sind, laufen hier zentral in einem Speicherungsserver. Damit lässt sich die Kapazität der einzelnen Platten wesentlich flexibler ausnutzen. Eine derartige Lösung wäre, laut Maner, in der Vergangenheit technisch unrealisierbar geblieben, wegen der leistungsfähigeren Prozessoren und Flash-Memory aber habe sich die Lage total verändert. Die Verfügbarkeit von SSD mit immer grösseren Kapazitäten eröffnet neue Perspektiven, die ein vollständig Software-definiertes Storage wirklich ermöglichen.

Preisrutsch bis 70 Prozent

Weil die Architektur der Nexenta-Speicher auf Standard-Hardware basiert, kann die Firma wesentlich preisgünstigere Systeme anbieten, als dies auf dem Markt üblich ist. Typische Nexentastor-Speichersysteme kosten in der Tat bei gleicher Kapazität und Leistung ungefähr ein Drittel der vergleichbaren Produkte der etablierten Anbieter. Dass dies von den traditionellen Marktführern wie EMC, Netapp, Hitachi und HP nicht besonders geschätzt wird, scheint selbstverständlich. Aber auch mit wesentlich tieferen Preisen sind die Hürden gegen einen neuen Anbieter auf diesem Gebiet enorm und zwar meistens psychologischer Natur. «Wer mit EMC oder Netapp gehe, könne nicht falschgehen» heisst es. Die Storage-Verantwortlichen in den Unternehmen sind an ihre Boxen gewohnt und sind nicht willig, ihre Karriere mit bahnbrechenden Technologien neuer Anbieter aufs Spiel zu setzen. «Diese Leute sollten sich jedoch überlegen, wie sie in Zukunft gegenüber den Angeboten von Amazon oder Google konkurrenzfähig bleiben», gab Robinson zu bedenken.

Storage ist Vertrauenssache

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Das Storage-Betriebssystem Nexentastor basiert auf dem Open-Solaris-Kernel mit dem Dateisystem ZFS.

Trotzdem ist es Nexenta gelungen, weltweit Speichersysteme mit einer totalen Kapazität von 800 Petabytes zu installieren, dies vorwiegend bei Anbietern von Cloud-Services. Grösster Kunde ist zurzeit Korea Telecom mit 110 Petabytes. Mit ihrem EMEA-Sitz in den Niederlanden ist die Firma in Europa vertreten. Johan van den Boogart, verantwortlich für den Markt im DACH-Bereich und in Osteuropa, sagte gegenüber Greenbyte.ch: «Storage ist Vertrauenssache. Wir wollen die VMware auf dem Speichergebiet sein. Mit unseren Lösungen kann der Kunde alles machen: Speicherung von Objekten, Blöcken und Files, Archivierung und Desktop-Virtualisierung. Bei den Konkurrenten sind das unterschiedliche Produkte.»

Auch in der Schweiz

In der Schweiz vertreten Q5 und Transtec die Produkte von Nexenta. Christof Zihlman, CEO von der in Hüneberg beheimateten Q5, bietet seinen Kunden drei Systeme an: Predator als Hauptspeicher, Beluga als Sekundärspeicher und Typhoon als Voll-SSD-Lösung, alle drei basieren auf Nexentastor. Auch Zihlman muss gegen den Widerstand vor Neuem kämpfen. «Wir sind aber in der Lage, Lösungen anzubieten, die zum halben Preis mehr Kapazität, Leistung und Verfügbarkeit bieten. Wenn wir bei einer Firma antreten, müssen die anderen Anbieter meistens ihre Preise senken. Dass unsere Lösung ebenso gut oder noch besser ist, als die der Konkurrenz, demonstrieren wir dann mit einem ‹Proof of Concept› an Ort und Stelle.» Überzeugt wurden bereits die Zürcher Stadtpolizei und das Stadtspital Triemli, die Kantonsschule Zug sowie Zühlke Engineering.

(Jean-Luc Perrenoud)

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Jean-Luc Perrenoud
Jean-Luc Perrenoud promoviert 1968 in Kernphysik an der ETH, betreibt anschliessend Forschung und Lehre an der UCLA und am California Institute of Technology. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wechselt er zur Informatik als Leiter der Systemgruppe in zwei Unternehmen. Seit 1978 ist er selbständig erwerbend und auf Software-Entwicklung spezialisiert. Seine Kurse über Programmierungstechnologie, Datenbankdesign und Objektorientierung auf Französisch, Deutsch und Englisch organisiert er in ganz Europa und in den USA. Während mehrerer Jahre ist er Mitglied der SIZ-Prüfungskommission. Seit 1990 als Freelance IT-Journalist tätig.
Jean-Luc Perrenoud

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